Spanisches Konsulat

Schock für die 10'000 Spanier in Basel: Das Konsulat geht zu

Das spanische Konsulat in Basel geht zu

Das spanische Konsulat in Basel geht zu

Die 10 000 Basler Spanier müssen künftig nach Bern reisen, um den Pass zu verlängern. Die zwei Vollzeitstellen in Basel werden vollständig aufgegeben. Auch Kurse für Kinder werden gestrichen.

Sie sind eine der grössten Migrantengruppen in der Nordwestschweiz. Rund 10 000 Spanierinnen und Spanier leben in der Region. Dennoch werden sie demnächst ihre diplomatische Vertretung verlieren: Die spanische Regierung will ihr Konsulat in Basel aus finanziellen Gründen schliessen. Der Mietvertrag für die Stadtvilla am Steinenring 42 wurde per Ende September gekündigt.

Während Franco-Diktatur eröffnet

Das Konsulat wurde 1972 - noch in der Zeit der Franco-Diktatur - auf Druck der damals in grosser Zahl eingereisten Gastarbeiter eröffnet. Daniel Ordàs, Präsident der Union Spanischer Unternehmer und Selbstständiger, schüttelt den Kopf: «Was unsere Eltern gegen eine Militärdiktatur durchgeboxt haben, will uns nun eine demokratisch gewählte Regierung wieder wegnehmen.» Die bz hat der spanischen Botschaft in Bern einen Fragekatalog zur Schliessung zukommen lassen. Dieser blieb allerdings bis gestern Abend unbeantwortet.

Betroffen von der Schliessung sind drei Bereiche: Neben den klassischen Dienstleistungen und der Aussenpolitik sind dies die Arbeits- und Sozialberatung sowie die Heimatsprache- und Kulturkurse (HSK). Für Dienstleistungen wie Pässe verlängern und notarielle Dokumente ausstellen galt seit 1997 ein spezielles Modell: Zwar verfügte das spanische Konsulat - im Gegensatz etwa zum italienischen - nicht über einen eigenen Generalkonsul vor Ort; dieser reiste zuletzt einmal pro Woche an, um Dokumente zu unterschreiben.

Pensionierte besonders betroffen

Mit zwei Vollzeitangestellten war am Steinenring gleichwohl ein geordneter Konsulatsbetrieb gewährleistet. Anstatt dass der Konsul zu ihnen kommt, müssen die in der Region wohnhaften Spanier künftig nach Bern reisen; betroffen sind viele Pensionierte, die sich jedes Jahr ihren Rentenanspruch durch einen persönlichen Gang aufs Konsulat oder die Botschaft bestätigen lassen müssen.

Per Ende Juni aufgegeben wird zudem die Verwaltung der vom spanischen Staat finanzierten Heimatsprache- und Kulturkurse (HSK). Das trifft alleine im Kanton Basel-Stadt rund 150 spanischstämmige Schulkinder, informiert Silvia Bollhalder, die als Fachexpertin im Erziehungsdepartement den HSK-Unterricht für den Kanton koordiniert. Für die Kinder wird sich zwar vorerst nichts ändern; sie werden weiterhin an ihrer Schule unterrichtet. Unannehmlichkeiten entstünden hingegen für die Lehrer, wenn die Kurse zentral von Bern aus gelenkt werden.

2014 könnte es auch für die Kinder eine einschneidende Änderung geben: Die spanische Botschaft plant, die Hälfte der drei Unterrichtsstunden per Heimunterricht am Computer anzubieten. «Das wäre der Anfang vom Ende», ärgert sich Raquel Pulido. Die Mutter ist überzeugt, dass ihre Kinder die Kurse dann nicht mehr besuchen wollen. Silvia Bollhalder versteht die Skepsis: «Homeschooling per Internet ist in unseren Breitengraden nicht sehr verbreitet. Es muss aber nicht a priori schlecht sein.»

Anlaufstelle für Unternehmen

Geschlossen wird drittens die am Steinenring ebenfalls domizilierte Sozial- und Arbeitsberatung. Für den Anwalt Daniel Ordàs kommt dieser Schritt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Derzeit würden viele Spanier in der Schweiz Arbeit suchen. «Jetzt wäre es besonders wichtig, dass das Konsulat als Bindeglied zu den Schweizer Behörden da ist.»
Ordàs glaubt zudem, dass das Konsulat für spanische und für Schweizer Unternehmen eine wichtige Anlaufstelle darstellt. «Letztlich ist es für Basel auch eine Prestigefrage, dass hier Konsulate aus verschiedenen Ländern angesiedelt sind», glaubt Ordàs.

Die spanische Gemeinschaft in Basel will den Schliessungsentscheid nicht einfach so hinnehmen. Für den 17. Juni ist bei der Gewerbeschule eine Protestversammlung geplant. Für den 22. Juni haben die Demonstrierenden den spanischen Botschafter nach Basel eingeladen. Sie wollen ihm dann eine Petition mit möglichst vielen Unterschriften gegen die Schliessung übergeben.

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