Für einmal waren die als bedächtig verschrienen Berner die Schnellsten: Sie werden das Insel-Spital mit fünf weiteren öffentlichen Spitälern vereinen (die bz berichtete). Es entsteht damit nicht «nur» das grösste Spital der Schweiz mit über 10 000 Mitarbeitenden – erstmals ist auch eine Fusion zwischen einem Universitäts-Spital mit Grundversorgungsspitälern aufgegleist. Laut einer Medienkonferenz von vergangener Woche soll die neue Insel-Gruppe AG Anfang 2016 den Betrieb aufnehmen.

Spitäler werden immer grösser

Das jüngste Beispiel aus dem Kanton Bern zeigt: Im schweizerischen Spitalwesen geht der Trend klar Richtung Zusammenschlüsse und Kooperationen. Die zeitliche Nähe mag ein Zufall sein: Auch in der Nordwestschweiz bahnt sich eine verstärkte Zusammenarbeit an: Am kommenden Montag, 29. Juni, werden die kantonalen Gesundheitsdirektoren Thomas Weber (Baselland) und Lukas Engelberger (Basel-Stadt) der Öffentlichkeit präsentieren, wie die Kooperation der Spitäler beider Basel künftig aussehen soll.

Rolf Wirz, Sprecher von Webers Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD), bestätigt entsprechende Informationen der bz. Noch Anfang Woche wollen die Regierungen der beiden Kantone an ihren wöchentlichen Sitzungen die entsprechenden Beschlüsse fällen.

8500 Mitarbeitende

Im Fokus stehen ausdrücklich die ausgelagerten öffentlich-rechtlichen Spitäler, also das Universitätsspital Basel (USB) sowie das Kantonsspital Baselland (KSBL) mit ihren insgesamt rund 8500 Mitarbeitenden. Die Privatspitäler sind – vorerst – nicht Bestandteil dieser Kooperation.

Zumindest denkbar wäre, dass Weber und Engelberger einen Zusammenschluss nach dem Berner Modell anstreben. Dort ist die Gesundheits-Versorgung der Bevölkerung neu dreistufig geplant: Vier Regionalspitäler decken die Grundversorgung ab, ein Stadtspital übernimmt komplexere Fälle, für die Spitzenmedizin ist alleine das Insel-Spital zuständig. Übertragen auf die beiden Basel würde das bedeuten: Dem Uni-Spital werden die kompliziertesten Fälle anvertraut, zusätzlich übernimmt einer der drei KSBL-Standorte komplexe Fälle; die übrigen zwei Betriebe decken die Grundversorgung ab.

Idee ist «bestechend»

Regula Meschberger (SP), Präsidentin der landrätlichen Gesundheitskommission, hat bereits im Mai die Idee eines bikantonalen Hauses für die Grundversorgung geäussert. Ein Zusammengehen der öffentlich-rechtlichen Häuser beider Basel nach Berner Muster bezeichnet sie auf Anfrage als «bestechend».

Fusionen werden aber auch kritisch beurteilt. Sie führten nicht automatisch zu tieferen Kosten, warnt Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte beim Internet-Vergleichsdienst Comparis. Oft würden Synergien durch einen aufgeblähten Overhead zunichtegemacht.

Eine Zusammenarbeit der Kantone im Spitalwesen sei aber sinnvoll. «Durch eine Triage der Fälle könnte verhindert werden, dass Routine-Eingriffe im Umfeld einer teuren Infrastruktur wie einem Unispital vorgenommen werden», sagt Schneuwly.

Keine Gemischtwarenläden mehr

Ähnlich äussert sich Klaus Kirchmayr, Fraktionschef der Grünen im Landrat. Für ihn ist die Zeit der Universal-Spitäler, die alles anbieten, definitiv abgelaufen. Diese Gemischtwarenläden – wie es etwa das USB sei – führten zu hohen Kosten und damit zu einer hohen Gasttaxe (Baserate). Eine abgestufte Hierarchie nach Berner Muster sei ein Gebot der Stunde. Konkret könnte das heissen, dass am USB spitzenmedizinische Leistungen angeboten werden und «ein bis zwei Standorte im Baselbiet» die Grundversorgung gewährleisten. Zudem müsste das USB organisatorisch in zwei Teile aufgeteilt werden: In eine Spitzenklinik sowie ein Grundversorgungsspital für die Einwohner Basels.

Kirchmayr hofft, dass sich die Regierungen auf eine gemeinsame Planung der Spital-Kapazitäten einigen können. Mit Beschlüssen auf Betriebsebene rechnet er indes nicht.

Stephan Fricker, CEO der Basler Merian-Iselin-Klinik, warnt davor, dass die Kantone ihre Eignerrolle überstrapazieren könnten, sollten sie ein Gebilde nach Berner Modell anstreben. «Was dort passiert, hat durchaus den Charakter, dass öffentliche Spitäler gegen private ausgespielt werden. Das wäre nicht wünschenswert.»