Wahlen 2019

Die Ausgangslage im Kanton Luzern – CVP und SVP bei den Nationalratswahlen unter starkem Druck

CVP-Präsident Christian Ineichen und SVP-Präsidentin Angela Lüthold während eines Wahlpodiums – mit ernsten Mienen.

CVP-Präsident Christian Ineichen und SVP-Präsidentin Angela Lüthold während eines Wahlpodiums – mit ernsten Mienen.

Weil Links-Grün im Kanton Luzern zulegen dürfte, zittern die beiden grössten Parteien.

Die Nationalratswahlen im Kanton Luzern versprechen Spannung pur – aus drei Gründen. Erstens stehen dem grössten Zentralschweizer Kanton in der neuen Legislatur nur noch neun Sitze zu – und alle bisherigen zehn Amtsträger treten wieder an. Zweitens haben Grüne, SP und Grünliberale bei den Kantonsratswahlen im Frühling massiv zugelegt, während SVP, CVP und FDP starke Einbussen hinnehmen mussten.

Drittens kommt der grosse Schulterschluss in der Mitte zwischen CVP, FDP, BDP und EVP heuer nicht zustande. Die EVP steigt alleine in die Nationalratswahlen, die BDP verzichtet gar auf eine Teilnahme. Obwohl die beiden Kleinparteien 2015 zusammen bloss auf einen Anteil von 2 Wählerprozenten kamen (siehe Grafik), retteten sie damit der CVP den dritten Sitz. Um den dritten Sitz ging es vor vier Jahren auch bei der SVP: Sie konnte dieses Mandat auf Kosten der GLP gewinnen, die ihren 2011 gewonnenen Sitz – damals zu Lasten der SVP – nach nur vier Jahren und trotz geringer Einbussen wieder abgeben musste.

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Gmür und Grüter wollen in den Ständerat wechseln

Zehn Bisherige und nur noch neun Sitze legen den Schluss nahe, dass am 20. Oktober mindestens eine Person abgewählt wird. Das kann, muss aber nicht geschehen. Sowohl Andrea Gmür-Schönenberger (CVP) als auch Franz Grüter (SVP) kandidieren nämlich auch für den Ständerat. Mit besseren Chancen für Gmür, die ihren abtretenden Parteikollegen Konrad Graber beerben will und dies dank der Unterstützung der FDP auch schaffen sollte (siehe Kasten). Gelingt Gmür der Wechsel in die kleine Kammer und wird Grüter im Nationalrat genauso bestätigt wie alle anderen Bisherigen, gibt es keine Abwahl.

Wahrscheinlichstes Szenario ist jedoch ein anderes: Der aus SP, Grünen und GLP bestehende Links-Grün-Block legt um eines auf drei Mandate zu, CVP und SVP verlieren je eines, die FDP kann ihre beiden Sitze verteidigen. Dann stellt sich die Frage, wer von den drei SVP-Nationalräten Felix Müri, Yvette Estermann und Franz Grüter über die Klinge springen muss. Eine Prognose ist äusserst schwierig, weil die drei SVP-Nationalräte vor vier Jahren ähnlich viele Stimmen holten – mit leichten Vorteilen für Estermann und Müri, die im Gegensatz zu Grüter als langjährige Bisherige in die Wahlen steigen konnten.

Kampf im links-grünen Lager um den dritten Sitz

Offen ist auch, wer von einem Sitzgewinn im links-grünen Zusammenschluss profitieren würde. Holt die SP erstmals in ihrer Geschichte zwei Nationalratssitze? Oder feiern die Grünliberalen nach dem erstmaligen Gewinn eines Mandats in der grossen Kammer vor acht Jahren ein Comeback? Lachen am Ende gar die Grünen, die bei den kantonalen Wahlen im Frühling im links-grünen Lager am stärksten zulegen konnten?

Sicher ist im Kanton Luzern eines: Die CVP als grösste Partei versucht mit allen Mitteln, ihr drittes Mandat zu retten. So tritt sie mit einer Haupt- und sieben Unterlisten an – für Luzern ein Rekordwert. Mit dieser Taktik wollen die CVP-Strategen jene Stimmen kompensieren, die wegen des Verzichts von BDP und EVP auf eine Listenverbindung wegfallen.

Offensichtlich ist auch das Bemühen, nicht einfach Dutzende von Kandidaten zu portieren, sondern klangvolle Namen. Das ist der CVP-Leitung für den Grossteil der Listen gelungen. FDP und SVP dagegen bekundeten deutlich mehr Mühe, zugkräftige Personen zu einer Kandidatur zu bewegen, auch wenn die Ausgangslage die gleiche war: Alle Bisherigen treten erneut an, was die Wahlchancen für neue Kandidaten erschwert.

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