Einem Bisherigen den Platz wegzuschnappen, ist in der Schweizer Politik zwar nicht oft gesehen, kann aber hie und da durchaus passieren. Das weiss auch Alois Bissig. Der 62-Jährige war von 2010 bis 2014 Regierungsrat im Kanton Nidwalden. Er verpasste seine Wiederwahl 2014 allerdings, da er nach dem ersten Wahlgang nur den achten Rang von zehn Kandidaten belegte.

Zu schaffen gemacht hatte ihm ein Streit um ein Jagdbanngebiet. Als Regierungsrat wollte er eine Teilverschiebung eines Jagdbanngebietes von der Region Titlis auf die Bannalp oberhalb von Wolfenschiessen. Die Bevölkerung goutierte das allerdings nicht. Folge: CVP-Parteikollege Othmar Filliger machte bei den Regierungsratswahlen mehr Stimmen, weswegen die Partei für den zweiten Wahlgang voll auf ihn setzte und Bissig sozusagen opferte. Filliger schaffte die Wahl in die Regierung, Bissig war sein Amt los.

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Nun ist der Anwalt aus Ennetbürgen in der anderen Rolle. Er ist Herausforderer. Dieses Mal geht es um den einzigen Nidwaldner Nationalratssitz, seit 2011 gehalten von Peter Keller, SVP. Alois Bissig will ihm am 20. Oktober diesen Sitz abjagen. Er suchte im Frühjahr deshalb die Unterstützung seiner Partei. Doch die CVP wollte nichts davon wissen. Die Ortspartei Ennetbürgen war für seine Nomination zuständig, eine Mehrheit verweigerte ihm Mitte Mai die Unterstützung. Aufgeben wollte er deswegen aber nicht, weswegen er kurz darauf seine Kandidatur als «Wilder» bekanntgab. Als Motivation gibt er an, dass man der Bevölkerung bei wichtigen Wahlen «immer eine echte Auslese präsentieren sollte». Bissig verhindert mit seiner Kandidatur deswegen eine stille Wahl von Peter Keller.

Denn die Kantonalpartei beliess es dabei – die CVP stellt für die eidgenössischen Wahlen keinen offiziellen Kandidaten. Der Fokus solle auf die Wahlen in vier Jahren gelegt werden. Und auch die anderen Parteien im Kanton treten nicht an – wohl im Wissen darum, dass Nationalrat Peter Keller bei vielen Wählern gut ankommt und ein Wahlkampf gegen ihn nur schwierig zu gewinnen ist. Die Grünen etwa – im Nidwaldner Landrat die stärkste linke Kraft – verzichten auf eine Kandidatur, weil «wir der Meinung sind, dass es nicht Aufgabe der Grünen ist, Wahlen zu ermöglichen», wie sie im März mitteilten. Die SP ist im Kanton zu klein, um grosse Stricke zu zerreissen, und die FDP kann die Wahlen mit ihrem Ständerat Hans Wicki gemütlich nehmen.

Zürcher Journalist wollte keine stille Wahl

Alois Bissig (62, Bild) fordert den einzigen Nidwaldner Nationalrat Peter Keller von der SVP heraus. Der CVP-Politiker aus Ennetbürgen will stille Wahlen verhindern.

Alois Bissig (62, Bild) fordert den einzigen Nidwaldner Nationalrat Peter Keller von der SVP heraus. Der CVP-Politiker aus Ennetbürgen will stille Wahlen verhindern.

Somit befindet sich SVP-Nationalrat Peter Keller (48) in einer ähnlichen Situation wie vor vier Jahren, als er ebenfalls gegen nur einen Kandidaten antreten musste. Damals war nur wenige Minuten vor Eingabefrist die Kandidatur des Zürcher Journalisten Andreas Fagetti eingegangen. Dieser wollte damit – ähnlich wie nun Alois Bissig – eine stille Wahl des Hergiswilers verhindern. Chancen hatte er wie erwartet keine (2776 Stimmen für ihn, deren 13380 für Keller).

Da Alois Bissig nicht offiziell für die CVP antritt und gegen einen Bisherigen in den Wahlkampf zieht, bleiben seine Chancen wohl klein. Peter Keller hingegen kann optimistisch auf die kommenden Wahlen blicken. Der Historiker und Journalist startete seine politische Laufbahn 2006, als er in den Landrat gewählt wurde. 2011 ging es weiter nach Bern. Er schreibt für die «Weltwoche», dem Wochenblatt seines Parteikollegen Roger Köppel. Zudem ist er Inhaber einer Kommunikationsagentur.

CVP verlor ihren Nidwaldner Ständeratssitz

Bleibt der Ständerat. Hans Wicki besetzt den einzigen Nidwaldner Sitz seit 2015. Der 55-jährige Hergiswiler hat die klassische Ochsentour hinter sich: Von 2000 bis 2010 sass er für die FDP im Gemeinderat, davon die letzten vier Jahre als Gemeindepräsident von Hergiswil. Danach wählten ihn die Nidwaldner in den Regierungsrat, wo er als Baudirektor amtete. Das Amt gab er 2016 ab, da er in den Ständerat gewählt worden war.

Damit gelang dem ehemaligen Hauptmann des Schweizer Militärs Historisches: Er luchste der CVP den Sitz ab, den diese zuvor seit Gründung der modernen Schweiz innehatte. Die FDP hatte somit zum ersten Mal eine Vertretung aus dem Kanton Nidwalden im Stöckli. Hans Wicki hat damit Parallelen zu Parlamentskollege Peter Keller: Diesem gelang es 2011 zum ersten Mal, für die SVP im Kanton Nidwalden einen Sitz im Bundesparlament zu ergattern.

Wicki hatte mit dem Ständeratssitz aber nicht genug. Er trat vergangenes Jahr als Bundesratskandidat an, um Nachfolger von Johann Schneider-Ammann zu werden, verlor gegen Karin Keller-Sutter jedoch. Taktisch war die Kandidatur trotzdem klug: Wicki konnte so seinen Namen einer breiten Schweiz bekannt machen, ohne viel zu verlieren, denn Karin Keller-Sutter galt als Kronfavoritin. Viel zu verlieren hat Hans Wicki auch am 20. Oktober nicht: Er ist der einzige Ständeratskandidat im Kanton Nidwalden, sein Sitz damit gesichert.