Wahlen 2019

Die Ausgangslage im Kanton Tessin – drei Blöcke liefern sich ein spannendes Rennen

Wer zieht für den Kanton Tessin ins Bundeshaus ein? Ein spannendes Rennen steht bevor.

Wer zieht für den Kanton Tessin ins Bundeshaus ein? Ein spannendes Rennen steht bevor.

FDP und CVP spannen im Kanton Tessin erstmals zusammen. Der Druck der beiden Pole ist hoch.

Von Politikmüdigkeit ist im Tessin nichts zu spüren. Mit 150 Kandidierenden auf 23 Listen für den Nationalrat und 9 Kandidierenden für den Ständerat ist die Zahl der Anwärterinnen und Anwärter auf einen Sitz in Bern so gross wie nie.

Im Nationalrat verfügt das Tessin über acht Sitze. Dabei ist die bürgerliche Mitte auf Besitzstand aus. Das heisst: FDP und CVP wollen jeweils ihre beiden Nationalratssitze verteidigen sowie die beiden Ständeratsmandate. Bei der CVP treten mit Fabio Regazzi und Marco Romano zwei Bisherige für den Nationalrat an, bei der FDP hat sich Ständerat Fabio Abate für einen Abschied aus der Politik entschieden. Der bisherige FDP-Nationalrat Giovanni Merlini setzt nun alles auf eine Karte und kandidiert einzig fürs Stöckli. Nationalrat Rocco Cattaneo ist bei der FDP somit der einzige Kandidat, der für die Verteidigung seines bisherigen Postens antritt. Sollte die FDP Tessin ihren zweiten Sitz verteidigen, hat Alex Farinelli, freisinniger Fraktionschef im Grossen Rat, wohl die grössten Chancen. Bei der CVP kandidiert Filippo Lombardi für eine sechste Legislaturperiode im Ständerat.

Allerdings müssen sich die Bürgerlichen vor einem Angriff aus dem links-grünen Lager wappnen. Die Tessiner SP hat bis heute nicht verdaut, dass sie 2011 ihren zweiten Nationalratssitz verloren hat. Nach dem relativ guten Abschneiden bei den Kantonswahlen im April sieht der linke Block nun die Chance gekommen, ihre Position wieder zu stärken. Dafür gingen SP, Grüne, Alternative und Kommunisten eine historische Listenverbindung ein. Auch im Ständerat gibt man sich angriffig, die bisherige Nationalrätin Marina Carobbio tritt – neben einer erneuten Kandidatur für den Nationalrat – ebenfalls für die kleine Kammer an. Die Grünen haben Greta Gysin nominiert.

Doch auch die Tessiner Rechte hat den Ständerat im Visier. Mit dem Luganeser Anwalt Battista Ghiggia kandidiert ein politischer Quereinsteiger, der 2015 bewiesen hat, dass er viele Stimmen auf sich vereinigen kann, als er die Wahl nur knapp verpasste. Lega und SVP spannen zusammen; sie sind überzeugt, dass das Tessin einen Standesvertreter der rechts-populistischen Linien braucht, welche häufig die relative Mehrheit stellt. Für den Nationalrat kandidieren die Bisherigen Roberta Pantani, Lorenzo Quadri (beide Lega) sowie Marco Chiesa (SVP).

Angesichts des Drucks von links und rechts haben sich FDP und CVP in einem historischen Schulterschluss dafür entschieden, eine Listenverbindung einzugehen. Für die langjährigen Rivalen ist es ein Zweckbündnis, um die Sitze in Bern zu verteidigen. Dieser Schachzug könnte dazu führen, dass die Sitzverteilung im Nationalrat aus Tessiner Sicht unverändert bleibt. Im Ständerat stellt vor allem Lega-Kandidat Ghiggia eine Bedrohung für die Bürgerlichen dar.

Im Feld der Kandidierenden für den Nationalrat finden sich auch Kuriositäten. So kandidiert etwa alt Nationalrat Franco Cavalli, von 1999 bis 2002 Chef der SP-Bundeshausfraktion und mittlerweile 77 Jahre alt, für die alternative links-grüne Liste, die CVP hat eine Unterliste mit Auslandtessinern auf die Beine gestellt, in der sich Kandidierende aus Caracas, New York oder London finden.

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