Der Rücktritt ihres Stände- und Nationalrats und der Ersatz derselben fordert die FDP personell. Die Partei hat 2018, mit Schwierigkeiten zwar, aber letztlich erfolgreich, die beiden freien FDP-Sitze in der Kantonsregierung verteidigt. Auch dank wahltaktischer Uneinigkeit der Linken. Die Zuger Linksparteien haben allerdings daraus gelernt. Und nun eine Chance, der FDP den Nationalratssitz abzujagen.

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Die Ausgangslage ist für die FDP nach dem Rücktritt ihres Ständerats Joachim Eder und ihres Nationalrats Bruno Pezzatti schwieriger als vor einem Jahr bei den Regierungsratswahlen. Damals konnten sie mit dem Parteipräsidenten und dem Fraktionspräsidenten im Kantonsrat auf zwei relativ bekannte Kandidaten zurückgreifen. Das sieht für den nationalen Wahlgang vom 20. Oktober anders aus. In der Nominationsphase offenbarten die Zuger Freisinnigen gröbere Personalprobleme. Von den bekannteren Freisinnigen stellte sich für die Nationalratswahl niemand als Zugpferd zur Verfügung. Zudem bereitete es der FDP erst Mühe, zwei vollständige Listen zu präsentieren. Immerhin steigt sie nun mit dreien in die Nationalratswahlen. Nur auf der Hauptliste ist ein bekannterer Name zu finden. Bekannteste und aussichtsreichste Kandidatin dürfte Karen Umbach, Fraktionschefin der FDP im Kantonsrat, sein. Dass die drei Listen miteinander verbunden sind, versteht sich von selbst.

Die CVP vor den Karren gespannt

Nützen könnte der FDP allerdings eine weitere Listenverbindung. Jene mit der CVP Kanton Zug. Diese steigt mit Nationalrat und CVP-Schweiz-Präsident Gerhard Pfister ins Rennen. Seine Wiederwahl dürfte als sicher gelten. Zudem engagieren sich auf der CVP-Hauptliste die amtierende Kantonalpräsidentin Laura Dittli und der erfahrene Kantonsrat Kurt Balmer. Die Zuger CVP steigt mit vier Listen (inklusive JCVP) in die Ausmarchung. Aber auch ihr dürfte die Listenverbindung mit der FDP von Nutzen sein. Dies zumal die SVP auf nationaler Ebene laut Umfragen schwächelt. Die Partei will mit Nationalrat und Fraktionschef im Bundeshaus, Thomas Aeschi, ihren Sitz in der grossen Kammer verteidigen. Dieses Vorhaben dürfte gelingen. Auch wenn die SVP im Kanton Zug schwächeln sollte, sie kann von ihrem Wählerpotenzial zehren. Beim eidgenössischen Wahlgang 2015 erreichte sie mit 30,5 Prozent den unangefochten höchsten Wähleranteil. Wie übrigens auch 2011 mit 28,3 Prozent.

Die CVP erreichte 2015 26,4 Prozent und 2011 24,3 Prozent. Zu den Gewinnern gehörte 2015 auch die SP, die von 5,3 Prozent (2011) auf 13,8 Prozent zulegte. Verlierer war 2015 die FDP, die 2011 einen Wähleranteil von 19,2 Prozent verzeichnete, 2015 noch einen von 17,6 Prozent. Massiv verlor die Alternative – die Grünen (ALG). Von 15,4 Prozent im Jahr 2011 sank der Wähleranteil auf 7,2 Prozent (2015).

Kann die Linke einen Sitz gewinnen?

Wenn die Linke die Fehler aus den Regierungsratswahlen 2018 vermeidet, kann sie den Sitz gewinnen. ALG/CSP und SP steigen mit zwölf untereinander verbundenen Listen in die Wahl. Hinzugekommen ist die Liste der neu gegründeten EVP. Die Linksparteien präsentieren sich im Gegensatz zur Regierungsratswahl 2018 heuer geeint. Einfach wird es für die Linke, die mit den Zugpferden alt Regierungsrätin Manuela Weichelt (ALG) und der Zuger CSP-Stadträtin Vroni Straub um einen Sitz kämpft, nicht. Der Kanton Zug ist politisch zu klar bürgerlich dominiert. Einen Sitz im Nationalrat hatte die Zuger SP von 1995 bis 1999 mit Armin Jans inne. Er kandidiert dieses Jahr für die SP 60+.