Herr Guntern, wie alt sind Sie und wie wohnen Sie?

Roland Guntern: Ich bin 55-jährig und wohne mit meiner Frau und unserer 18-jährigen Tochter in einem Einfamilienhaus am Waldrand von Baden, das wir vor 12 Jahren gebaut haben.

Mit 55 haben Sie sich sicher schon Gedanken gemacht, wie Sie in 10, 15 Jahren einmal wohnen wollen?

Das habe ich mir schon beim Bau unseres Hauses vor 12 Jahren gemacht (lacht). 

Und was ist dabei herausgekommen?

Dasselbe wie bei den meisten Menschen. Dass ich so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben möchte.

Weshalb ist dieser Wunsch so omnipräsent?

In den eigenen vier Wänden fühlt man sich sicher und geborgen und man hat die gewohnten sozialen Kontakte und viel Privatsphäre. Zudem sind mit dem langjährigen Zuhause viele persönliche Erinnerungen verbunden.

Was spricht gegen die eigenen vier Wände?

Eventuell ist die langjährige Wohnung nicht hindernisfrei, man hat eine schlechte Anbindung zum ÖV oder fehlende Einkaufsmöglichkeiten. Zudem steigt das Einsamkeitsrisiko bei sinkender Mobilität.

Ganz konkret: Auf welche Punkte sollte man achten, wenn man sich mit der Wohnsituation im eigenen Alter beschäftigt?

Das Kernstück ist die Wohnung, in der man lebt. Entscheidend sind vor allem deren Lage, die Grösse und die Ausstattung. Zudem sollte die Wohnung oder das Haus so eingerichtet sein, dass es keine Hindernisse wie Stufen oder Schwellen gibt.

Und sonst?

Sehr wichtig sind auch die sozialen Aspekte, die Infrastruktur oder die Dienstleistungen und Hilfeleistungen, die man in der bestehenden Wohnform bekommen kann.

Was verstehen Sie darunter?

Bei den sozialen Kontakten stellt sich die Frage, ob Freunde, Bekannte und Familie gut erreichbar sind. Zur Infrastruktur gehören gut erreichbare Einkaufsmöglichkeiten, die Nähe zum öffentlichen Verkehr, Zugang zu Arzt und Apotheke, die Nähe von Post und Bank sowie die Möglichkeit, Restaurants und Cafés zu besuchen. Und nicht zu unterschätzen sind Dienstleistungen von externen Anbietern – ich denke dabei etwa an Einkaufs-, Reinigungs- oder Mahlzeitendienst – die das Leben in den eigenen vier Wänden massiv erleichtern können.

„In den eigenen vier Wänden fühlt man sich sicher und geborgen, hat die gewohnten sozialen Kontakte und viel Privatsphäre“

Roland Guntern

„In den eigenen vier Wänden fühlt man sich sicher und geborgen, hat die gewohnten sozialen Kontakte und viel Privatsphäre“

Wie passt man den Innenbereich einer Wohnung an die Bedürfnisse im Alter an?

Die Nutzung der Zimmer sollte mit der Lebenssituation im Einklang stehen. Zum Beispiel kann es eine sehr grosse Erleichterung sein, wenn das Schlafzimmer nahe beim Badezimmer liegt. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Beleuchtung. Ältere Menschen brauchen für dieselbe Sehleistung mehr Licht als jüngere. Übrigens: Indirekte Beleuchtungen sind angenehmer und blenden nicht.

Ein grosses Thema sind auch die vielen Stürze von älteren Menschen in der eigenen Wohnung.

Richtig. Damit das nicht passiert, muss man alles wegräumen, worüber man stolpern kann. Teppiche und Läufer sollten entfernt oder mit Gleitschutz versehen, Türschwellen mit Schwellenkeilen ergänzt werden. Kabel und Stoffe sollten so fixiert und weggeräumt werden, dass sie nicht lose auf dem Boden liegen. Ganz wichtig: Um sich bequem und sicher bewegen zu können, sollten zwischen Möbeln und Wänden Durchgänge von mindestens 80 bis 90 Zentimeter freigelassen werden.

Auf was muss man im Badezimmer und in der Küche besonders achten?

Badewannen sollten, wenn möglich, durch einen Duschstuhl, ein Sitzbrett, einen Badewannenlift oder zumindest einem soliden, fachmännisch montierten Handgriff ergänzt werden. Denkbar ist auch der Einbau einer Dusche. Um das Rutschen zu verhindern, können aufklebbare Antirutschstreifen angebracht oder rutschsichere Bodenbeläge verlegt werden. In der Küche wiederum ist es wichtig, vielgebrauchte Gegenstände gut erreichbar zu platzieren und genügend Ablageflächen zu haben. Die Arbeitsflächen sollten hell und einfarbig sein.

Zu guter Letzt: Wann ist es an der Zeit, betreutes Wohnen ins Auge zu fassen?

Wenn das Handling der eigenen Wohnung zu viel wird. Und vor allem wenn grössere gesundheitliche Probleme auftreten.