Start-up-Unternehmen

Naturkosmetik aus Bad Zurzach

Hendrike Grubert verkauft ihre Deocreme im Internet, im Shop in Berlin und im Fabrikladen in Bad Zurzach

Hendrike Grubert verkauft ihre Deocreme im Internet, im Shop in Berlin und im Fabrikladen in Bad Zurzach

Der Produktionsstandort Schweiz kämpft mit Abwanderungen ins Ausland. Hendrike Grubert hingegen setzt mit ihrem Start-up-Unternehmen PonyHütchen und ihren Naturkosmetikprodukten auf den Standort Bad Zurzach.

«Ich bin vor zwölf Jahren in die Schweiz gekommen und fühle mich sehr wohl in Bad Zurzach. Meine Kinder besuchen hier die Schule und meine kleine Produktionshalle ist nur einen Katzensprung von unserer Wohnung entfernt. Für mich ist mein Wohn- und Arbeitsort nicht am Rande der Schweiz, sondern mitten in Europa.»

Angefangen hat alles in der eigenen Küche: «Ganz im Kleinen habe ich Naturkosmetikprodukte für den Eigengebrauch hergestellt – Salben, Seifen und Reinigungs-gels. Familie und Freunde waren begeistert von den Produkten, sie wurden zu meinen ersten Kunden. Ich verlegte die Produktion wegen Platzmangel in den Keller, dann in einen grösseren Keller, bis ich mich vor drei Jahren entschieden habe, mich voll auf meine Selbstständigkeit zu konzentrieren.» Inzwischen rührt Hendrike Grubert zusammen mit ihren Mitarbeitenden an der Schlüsselgasse 5 in Bad Zurzach in ihren grossen Töpfen. Sie produzieren aluminiumfreie Deocremes, feste Handcreme und festes Parfüm her. Verkauft werden die Produkte im Internet, im PonyHütchen-Shop in Berlin und im Fabrikladen in Bad Zurzach. Einen Wermutstropfen hat die Erfolgsgeschichte: «Leider ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, im Schweizer Markt so richtig Fuss zu fassen.»

Stinken wie ein Iltis? Nein danke
Die aluminiumfreie Deocreme ist das Kernprodukt von Pony-Hütchen, und das nicht erst seit aluminiumhaltigen Deos in den Medien gesundheitsschädigende Wirkungen nachgesagt werden. Vor rund fünf Jahren habe ich in einem Blogbeitrag über die möglichen Risiken gelesen und mich schlau gemacht. Ich habe recherchiert und bin dann in eine Drogerie gelaufen, um die Angebote zu begutachten. Ich habe einen einzigen Deospray ohne Aluminium gefunden, ihn gekauft, benutzt und nach kurzer Zeit gestunken wie ein Iltis. So bin ich in das Thema reingerutscht – aktuell produzieren wir pro Jahr über 60 000 Tiegel Deocreme in rund zehn verschiedenen Duftrichtungen. Waldnebel ist einer davon. Es ist ein frischer Duft mit grünen Blättern, Lilie und Hölzern, der bei Frauen und Männern gleichermassen punktet.»
Wer sich seriös mit einer Firmengründung auseinandersetzt, macht einen Businessplan und kümmert sich um die einzelnen Punkte: Zielgruppe, Marktpotenzial, Vertrieb und die Namensgebung der Firma sind wichtige Themen. Wieso PonyHütchen? «Das Kinderbuch ‹Emil und die Detektive› von Erich Kästner hat mich inspiriert. Die Cousine von Emil heisst Pony Hütchen, ihre Rolle hat mir immer gefallen. 

Nach Abklärungen bezüglich Verwendung und Markenschutz war für mich klar, dass meine Firma so heissen wird. Ich bin immer noch sehr glücklich mit dem Namen – er bleibt in den Köpfen meiner Kundinnen und Kunden und auch bei den Geschäftspartnern hängen. Wenn ich mich am Telefon mit PonyHütchen melde, ist in der Regel klar, wer anruft.»

Kosmetik, blondhaarige Frau, PonyHütchen – bei Erstbegegnungen mit neuen Geschäftspartnern kommt es schon mal vor, dass Hendrike Grubert belächelt wird. Die taffe Geschäftsfrau zieht dann jeweils ihren Trumpf aus dem Ärmel beziehungsweise ihre Visitenkarte. «Dass ich Jura studiert habe, hänge ich nicht an die grosse Glocke. Wenn ich jedoch nicht als gleichwertige Gesprächspartnerin behandelt werde, stelle ich das klar.» Bald schon stehen wieder Verhandlungen an: PonyHütchen muss bis im nächsten Frühling neue Produktionsräume suchen. «An der Schlüsselgasse 5 in Bad Zurzach werden Lofts gebaut. Ich würde gerne mit meiner Firma in Bad Zurzach oder zumindest im Zurzibiet bleiben und hoffe, passende Räume zu finden.»

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