Die Art Unlimited ist immer wieder das Ereignis der Basler Kunstmesse: Der Messeteil mit den monumentalen Werken ist eine Weltschau neuer Kunst. Wir werfen einen Blick in diesen immer auch das Kunst-Publikum begeisternden Teil und greifen uns drei Kunstwerke heraus.

Ein Bild menschlicher Destruktion

In einer Koje der von Kurator Gianni Jetzer eingerichteten Kunst-Stadt liegen Tausende von Patronenhülsen. Schlicht «Gun Shells» nennt der Däne Matias Faldbakken seine Installation, die hier von der Galerie Eva Presenhuber aus Zürich präsentiert wird. Die Patronenhülsen könnten wir auf den ersten, ungenauen Blick noch als goldene Stücke deuten, beim zweiten Blick schnürt es uns den Hals zu.

Die Hülsen erzählen eine bittere Parabel: davon, dass Tausende von Menschen mit Schusswaffen umgebracht werden. Jede Patronenhülse steht für einen getöteten Menschen. Es ist eine Geschichte des Grauens, der Brutalität und menschenverachtenden Zerstörung in unserer Welt, die Faldbakken mit seiner aufwühlenden Installation erzählt. Mit Gold beziehungsweise Geld hat sie natürlich auch zu tun: Denn die Gier nach Macht, ob im Grossen oder im Kleinen, im persönlichen Kreis, stiftet zum einzelnen Mord wie zum Massenmord an.

Ebenso aufwühlend ist Bruce Naumans Videoinstallation eines kopfüber drehenden Männerkopfes. Schon das Geräusch des unablässig drehenden Kopfes geht durch Mark und Bein. Auch Nauman erzählt in der Installation, die Hauser&Wirth, Zürich und New York, zeigen, eine Geschichte des Grauens, eine subtile Parabel von Folter und Schmerz.

Klingende, lebendige Bilder

Wir gehen zu einer weiteren Koje und hören daraus rhythmische Geräusche, einzelne Töne. In der Koje stehen 16 Fernsehschirme im Kreis. Hände – bekleidet mit weissen Handschuhen – lassen alltägliche Objekte Töne erzeugen. Da klingelt ein Wecker, eine Kugel fällt auf andere Gegenstände, ein Ordner wird in seinen Schuber gedrückt. All die Hände rund um uns machen Musik. Die laufenden Videobilder des in London lebenden Künstlers Christian Marclay machen eine faszinierende geräuschhafte Musik. «Shake Rattle and Roll (Fluxmix)» heisst die grossartige Installation, die die Paula Cooper Gallery aus New York zeigt.

Doug Wheeler zieht uns wahrlich in seine Installation hinein. Wir schreiten auf Filzpantoffeln in den völlig weissen, lackierten Raum. In dessen Mitte leuchtet ein weisses Quadrat aus Neonröhren und beleuchtet als einzige Lichtquelle den White Cube (Galerie David Zwirner, New York). Das Weiss flimmert, es lebt. Wheelers geheimnisvolles Werk rührt an unseres Inneres, verzaubert.

Art Unlimited, Messe Basel 19.–22. Juni.