«Ich erinnere mich noch gut an Heiligabend 2007. Es war ein brutal kalter Abend. Kurz vor 20 Uhr erreichte mich im Festtagsdienst die Meldung eines Hausbrandes in Binningen. Wegen der vereisten Strasse brauchte ich für die Fahrt etwas länger als üblich.

Es war ein schreckliches Bild, das sich mir bot. Der Brand loderte im oberen Stockwerk. Die Bewohnerinnen und Bewohner standen an den Fenstern, einzelne liessen sich sogar heraushängen oder sprangen. Es war das pure Chaos. Die Stützpunktfeuerwehr und eine Polizeipatrouille waren bereits vor mir eingetroffen, nach und nach trafen weitere Feuerwehrkorps aus der Region ein. Ich übernahm bis zum Eintreffen des Krisenstabs vorübergehend die Gesamteinsatzleitung. Deshalb habe ich vor allem beobachtet und die verschiedenen Aufgaben verteilt. Als der Krisenstab dann auch vor Ort war, oblag mir zusammen mit dem Pikett-Offizier noch die Leitung des polizeilichen Einsatzes.

Ganz schlimm war der Moment, als klar wurde, dass ein Kleinkind den Brand nicht überlebt hatte. So etwas ist sowieso schon immer sehr tragisch, aber dann auch gerade noch an Heiligabend. Obwohl ich selber nicht so auf die Festtage fixiert bin, wurden die Folgen des Brandes alleine durch den Zeitpunkt noch dramatischer.

Ich werde dieses Bild, als der Feuerwehrmann mit dem toten Kind aus dem Haus gelaufen kam, wohl nie mehr vergessen können. Das ging böse an die Substanz. Obwohl das Haus heute nicht mehr steht, habe ich die damalige Situation auch heute noch genau vor Augen. Jedes Mal, wenn ich da vorbeikomme.

Die Nachbereitung solcher Einsätze beginnt jeweils erst, wenn ich nach Hause komme. Das war an diesem Weihnachtsmorgen 2007 schon auch nicht ganz einfach. Ich habe zu Hause mit meiner Frau über den Brand und vor allem auch über das verstorbene Kind gesprochen. Nach rund zwölf Stunden an der Kälte war es in diesem Moment einfach wichtig, dass ich jemanden hatte, der mir zugehört hat.

Natürlich ist das eine tragische Erinnerung an Heiligabend, die ich seit sechs Jahren mit mir herumtrage, aber mit der zunehmenden Berufserfahrung lernt man auch immer mehr, mit solchen Dingen umzugehen. Und trotzdem: Ich habe nun bald 29 Dienstjahre auf dem Buckel, aber solche Ereignisse gehen mir immer noch unter die Haut. Wichtig ist vor allem, dass wir darüber sprechen können.

Abgesehen von solch tragischen Ereignissen macht es mir nichts aus, über die Feiertage zu arbeiten. Da mein Sohn mittlerweile erwachsen ist, übernehme ich diese Dienste gerne, damit die Kollegen mit Familie ihr Weihnachtsfest feiern können.»