Die Sanierung müsse ausserdem von unabhängigen Experten begleitet werden, wie dies die Allianz Deponien Muttenz (ADM) fordert. Die Antwort des Kantons habe sie gar nicht überzeugt: «Sie hat eher bestätigt, dass es Verstrickungen mit der Industrie gibt».

Auch SP-Präsident Martin Rüegg (Gelterkinden) hält es für «sehr wichtig», die ADM in den Entscheidungsprozess mit einzubeziehen: «Die Organisationsstruktur bei der Feldreben-Sanierung ist nicht optimal. Das wird ein Thema im Landrat sein.» Prinzipiell sähe es Rüegg aber lieber, wenn mehr über den Inhalt der Sanierung als über Personalien diskutiert würde. Den ersten Schritt hat er gemeinsam mit drei SP/Grünen-Kollegen nun getan: Heute werden sie in einer Interpellation erfragen, ob der Kanton plant, sich an einer Sanierungsgesellschaft für die Deponie zu beteiligen, welche Rechtsform diese Gesellschaft hätte und welchen Anteil der Sanierungskosten der Kanton übernehmen müsste. Auch Mit-Interpellant Klaus Kirchmayr (Grüne, Aesch) betont, dass der Kanton noch lange nicht alle Fragen der ADM beantwortet habe. Er legt aber ebenso Wert darauf, dass der Landrat das Thema «ohne Vorabbeschuldigungen» angehen wolle.

Auch Basler Grossrat sorgt sich

Gleichzeitig lanciert Grünen-Grossrat Michael Wüthrich eine Interpellation, welche Informationen die Basler Regierung, die am Muttenzer Runden Tisch vertreten ist, zu den ADM-Vorwürfen habe. Weiter will er wissen, welche Garantien Basel-Stadt geben könne, dass das Trinkwasser aus der Hard optimal geschützt werde und der Stadtkanton keine Kosten mitzutragen habe. Schliesslich sei zu befürchten, dass der Landkanton durch seine Mehrausgaben von mehreren Hundert Millionen Franken für die Feldreben-Sanierung andernorts, namentlich bei Kooperationen mit Basel-Stadt, sparen werde.

Die ADM selbst teilte gestern in einer weiteren Pressemitteilung mit, sie bleibe bei ihren Forderungen nach Rücktritt der Projektleitung und Offenlegung aller Dokumente. Der Kanton sei in seiner Antwort nicht auf die zentralen Vorwürfe betreffend den Interessenskonflikt eingegangen. Unabhängige und erfahrene Altlastenexperten gebe es in der Schweiz und Europa genug: Baselland sei nicht auf die Experten der Basler Industrie angewiesen.

Eine Wand des Schweigens stand auch gestern noch bei den drei betroffenen Konzernen BASF, Syngenta und Novartis, die unisono der bz jeden Kommentar verweigerten und auf den Kanton als Ansprechpartner verwiesen. Lediglich Syngenta-Sprecher Daniel Braxton teilt mit, dass bei der Zusammensetzung von Expertengruppen darauf geachtet werde, «dass die am besten geeigneten Fachleute gewählt werden». Syngenta sei überzeugt, «dass damit der richtige Weg eingeschlagen worden ist», und stehe zu den gewählten Mitgliedern. Auf die konkreten Fragen der bz will aber auch er nicht eingehen.