Seit diesem Samstagabend steht fest: Die Bise weht auch in der Ajoie. Zwar kommt sie nicht wie im Mittelland aus dem Osten. Das heisst aber nicht, dass die jurassische Version weniger unangenehm ist. Leidtragender des jurassischen Biswinds war gestern über weite Strecken der EHC Olten. Als Tabellenführer in die Ajoie gereist, blies dem Gast schon früh ein regelrechter Sturm ins Gesicht. Zwischen Ajoie und Olten bestand in Sachen Tempo in den ersten zwei Dritteln ein Klassenunterschied. Zum Glück nur in diesem Bereich; hätten die Gastgeber in der Chancenauswertung nur annähernd jene Konsequenz an den Tag gelegt, die Gäste hätten bereits nach 40 Minuten eine richtige Packung aufgebrummt erhalten. So kamen sie mit einem 1-Tore--Rückstand davon und konnten am Ende sogar einen 4:3-Sieg bejubeln.

Heikle Situationen zu Beginn

Die Oltner mussten sich von Beginn weg im Befreien aus heiklen Situationen üben. Wenn die Scheibe einmal lief bei Grün-Weiss, sah das so schlecht nicht aus. Weil die Ajoulots so tief standen, fanden die Gäste bei ihren Sturmläufen den Raum für schöne und schnelle Spielzüge vor. Diese waren zwar rar, doch sie führten zu einer komfortablen, wenngleich schmeichelhaften 2-Tore-Führung nach zwölf Minuten. Zuerst machte Paupe bei einem Ulmer-Abschluss aus linker Position nicht den allerbesten Eindruck, dann genoss Cédric Schneuwly in der Mitte alle Freiheiten, als er von Bagnoud optimal bedient wurde.

Diesmal traf Paupe, welcher in der letzten Runde die Langenthaler Offensivabteilung mit seinem Shutout zur Verzweiflung trieb, aber keine Schuld. Viel mehr deckte der Treffer die Verwundbarkeit in der jurassischen Defensive auf, sofern es die Gäste überhaupt einmal bis dorthin schafften. Alle konzentrierten sich auf die scheibenführenden Oltner auf der linken Seite, derweil die rechte Spielfeldhälfte beinahe vergessen ging. Zwar glich auch das offensive Anrennen der Gastgeber manchmal ein bisschen zufällig, doch es sollte noch im ersten Abschnitt durch Mosimanns Anschlusstreffer (16.) Erfolg bringen.

Permanenter Druck der Jurassier

Es war in den nächsten Minuten durchaus dem letztjährigen Ajoie-Hüter Matthias Mischler zu verdanken, dass es nach 20 Minuten noch immer 1:2 hiess. Es brauchte seine guten Reflexe und eine Portion Glück, damit nicht einer der vielen verdeckten und abgefälschten Geschosse den Weg zum Ausgleich fand. Zumindest einen Effekt hatte der permanente Druck der Jurassier: Der EHCO wusste sich je länger je mehr nur noch mittels Fouls zu helfen. Viermal mussten die Gäste im Mitteldrittel innerst zwölf Minuten raus, und das zehrte an den Kräften. Jetzt gelangen auch einfache Befreiungsschläge nicht mehr, zudem häuften sich unnötige Fehlpässe in der eigenen Zone. Ein solcher führte denn auch nach Spielmitte zum 2:2. Und es war wenig erstaunlich, dass der HCA nach Rouillers 3:2 gar mit einem Vorsprung in die zweite Pause ging. «Die vielen Strafen erschwerten es uns, kreativ zu sein», sollte Mischler nach der Partie sagen. «Diese Phase galt es zu überstehen und wieder konsequenter zu spielen.»

Und das gelang den Oltnern denn auch. Mit der Führung im Rücken liess die HCA-Bise ein bisschen nach und die Gäste, für einmal selber in Überzahl, kamen durch Shayne Wiebe prompt zum Ausgleich. Und als gut drei Minuten vor dem Ende auch noch Topskorer Remo Hirt zum Endstand von 3:4 traf, herrschte in der Pruntruter Eishalle ein bisschen verkehrte Welt. «Natürlich braucht es immer ein bisschen Glück für einen Sieg», so Mischler, «doch das haben wir uns erarbeitet, indem wir uns zurückgekämpft haben.»

Telegramm:

Ajoie - Olten 3:4 (1:2, 2:0, 0:2)
Voyeboeuf. – 2028 Zuschauer. – SR: Dipietro, Altmann/Wermeille. – Tore: 10. Ulmer (Kobach, Schwarzenbach) 0:1. 13. Schneuwly (Bagnoud, Schwarzenbach) 0:2. 16. Mosimann (V. Barbero, Rouiller) 1:2. 32. Hazen (Devos) 2:2. 34. Rouiller (Kummer, Barbero) 3:2. 46. Wiebe (Ganz/Ausschluss Orlando) 3:3. 57. Hirt (Wiebe) 3:4. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Ajoie, 9-mal 2 Minuten gegen Olten.
Ajoie: Paupe; Hauert, S. Barbero; Dupertuis, Ryser; Orlando, Rouiller; Erard, Brahier; V. Barbero, Mäder, Mosimann; Tuffet, Ness, Kummer; Barras, Devos, Hazen; Lüthi, Frossard, Girardin.
Olten: Mischler; Pargätzi, Ganz; Bagnoud, El Assaoui; Kobach, Meister; Schnyder, Aeschlimann; Wiebe, Feser, Hirt; Schwarzenbach, Schneuwly, Ulmer; Wüst, Burki, Hürlimann; Wüthrich, Dal Pian, Scherwey.
Bemerkungen: Ajoie ohne Horansky, F. Lüthi (abwesend), Casserini und Pouilly (beide verletzt); Olten ohne K. Huber, Truttmann (beide rekonvaleszent), U. Huber, Ast und Morini (alle überzählig). Rouiller und Schneuwly als beste Spieler ihres Teams ausgezeichnet. Ajoie ab 59:13 ohne Torhüter. 59:31 Timeout Ajoie.

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Ajoie - EHCO