Rotstab Tele Lieschtal oder kurz My RTL nennt sich das Kind und funktioniert so: Eingestreut zwischen die traditionellen Rotstab-Elemente werden links und rechts der Bühne Persiflagen von Film-Klassikern von der Titanic bis zu James Bond mit Rotstab-Cabarettisten in Hauptrollen und Links zu Liestal eingespielt.

Die Gags jagen sich dabei öfters im Sekundentakt, sodass einem fast schwindlig wird. My RTL stiess denn auch auf geteiltes Echo, doch dem Gesamtpaket tat dies - gemessen am Applaus des gestrigen Premierepublikums  - kaum Abbruch. Fast überflüssig zu erwähnen, dass alle sechs Vorstellungen im KV-Saal ausverkauft sind.

Gysin und Ott bekommen Fett ab

Ob Fernsehen oder Live-Cabaret, wie ein roter Faden ziehen sich zwei Personen durchs Programm, die die Liestaler Schlagzeilen im letzten Jahr prägten: die abgewählte Stadtpräsidentin Regula Gysin und ihr Nachfolger Lukas Ott. Die Beiden bekommen ihr Fett denn auch reichlich ab, so etwa im Raumschiff Entenbach. Dieses dreht im Weltall genau über Liestal, diesem «geistigen Vakuum ohne eine einzige Hirnzelle». Und flugs wird Regula Gysin alias Urs Senn ins Raumschiff gebeamt, übernimmt das Kommando und sucht vergeblich nach «dem Ott, der nirgends ist».

Stattdessen landet Paul Pfaff im Raumschiff, und man versucht, das Rad der Zeit auf letzten Juni vor der Stadtpräsidiumswahl zurückzudrehen.

Gespickt mit Anspielungen auch die Cabaret-Einlage «was wettisch?», eine Anlehnung an «Wetten, dass». Gesendet wird aus dem neuen Ziegelhof mit Dani von Wattenwyl als Aussen-Reporter beim Skirennen am Burghügel, Roberto Blanco als Stargast, der auf der Suche nach der Zufahrt vergeblich ums Stedtli kurvt, und der Saalwette, dass es nicht gelingen werde, Lukas Ott auf die Bühne zu bringen. Weitere Höhepunkte sind der Schnitzelbänkler Muser Schang sowie der Tambouren- und Pfeifer-Stamm der Rotstab-Clique. Dieser glänzt insbesondere mit dem «Krimi-Pfiff», auf höchstem Niveau gespielte Musikstücke aus Kriminalfilmen.

Wehmut macht sich breit

Traditionell kommt der Schlusspunkt mit den Stedtli-Singers daher, die mit ihrem gesungenen Wortwitz zu eingängigen Melodien und ihren Schrittfolgen wie ein leicht bekömmliches Dessert nach einem opulenten Mahl wirken. Natürlich darf auch hier der Wahlbezug nicht fehlen und die Stedtli-Singers versetzen sich in Regula Gysins Situation: «Trur nit um mi, oh my Lieschtal, am nächschte Banntag blib ich im Bettli, gang nümm ins Stedtli, due nümme winke, das wird mir stinke.»

Doch die Wehmut macht auch vor den Stedtli-Singers selbst nicht halt: Ihr langjähriges Mitglied und Cabarettist Alex Vogt steht heuer nach 35 Jahren zum letzten Mal auf der Rotstab-Bühne und wird gebührend verabschiedet.