«Auflagen erteilen ist nicht schwer, für Sicherheit zu sorgen umso mehr.» Mit diesen Worten protestierte der Fanblock des FC Aarau beim Spiel gegen den FC Zürich (0:0) gegen die Aussperrung der gegnerischen Fans.

Für die Sicherheit sorgten schliesslich rund um das Stadion Brügglifeld und in der Stadt Aarau insgesamt 370 Polizeikräfte. Dabei wurden sie von einem Zürcher Polizeihelikopter und einem Berner Wasserwerfer, der allerdings nicht zum Einsatz kam, unterstützt. Nun ist klar: Einer Schätzung zufolge dürfte das Vorgehen Kosten von rund 250'000 Franken verursacht haben.

Happige Rechnung für Polizeieinsatz bei Fussballmatch in Aarau

Happige Rechnung für Polizeieinsatz bei Fussballmatch in Aarau.

Das grosse Sicherheitsaufgebot wurde nötig, weil die FCZ-Fans bereits im Vorfeld angekündigt hatten, sich nicht an die Weisung zu halten und trotzdem nach Aarau zu kommen. Rund 300 Personen reisten schliesslich in kleineren Gruppen an und versammelten sich auf dem Parkplatz hinter dem Gästesektor des Brügglifelds. Dort verharrten sie während Stunden, eingekesselt von der Polizei, die nach und nach ihre Personalien feststellte. Trotzdem blieb es ruhig, die Fans verhielten sich friedlich.

FCZ-Fans feuern ihr Team von der Abschrankung her an

FCZ-Fans feuern ihr Team von der Abschrankung her an.

Vorzeichen auf Krawall

Im Kanton Aargau ist man mit dem Polizeieinsatz vom Samstag insgesamt zufrieden. Eine abschliessende Beurteilung steht aber noch aus. Gegenüber dem Onlineportal der «Neuen Zürcher Zeitung» zeigt sich auch Hans-Jürg Käser, Präsident der Kantonalen Justiz- und Polizeikommandanten (KKJPD), erfreut über das klare Zeichen, das die Kapo mit ihrem entschiedenen Handeln gesetzt habe: «Der Polizeieinsatz ist ein Erfolg.» Die Kritik, man habe mit Kanonen auf Spatzen geschossen, lässt Käser nicht gelten: «Im Vorfeld weiss man nie, wie die Situation aussehen wird.»

Aufgrund der Vorfälle mit FCZ-Anhängern nach dem Spiel in Basel vor zwei Wochen habe man durchaus damit rechnen müssen, dass diese Gewalt ausüben oder randalieren würden. Weil aber solches Verhalten ausblieb, verzichtete die Aargauer Staatsanwaltschaft darauf, aktiv zu werden: Gegen keinen der angereisten FCZ-Anhänger wurde ein Strafverfahren eröffnet.

Ob das Beispiel nun in Aarau oder sogar der ganzen Schweiz Schule macht, ist noch nicht abzusehen: «Grundsätzlich ist es denkbar, dass wir eine solche Massnahme wiederholen, wenn es nötig wäre. Wir beurteilen aber jedes Spiel von Neuem», sagt Roland Pfister, Sprecher der Kantonspolizei (Kapo) Aargau. Beim FCA hofft man, dass diese Massnahme nicht zum Usus wird: «Es darf nicht sein, dass die Schliessung des Gästesektors nun in der gesamten Schweiz Schule macht. Erstens: Das kann nicht die Zukunft unseres Fussballs sein. Zweitens: Es darf nicht sein, dass wir vor ein paar wenigen Chaoten kapitulieren. Stattdessen müssen diese individuell härter angepackt werden. Drittens: Solche Einsätze wie am Samstag sind zu teuer, für die Klubs, für die Polizei und für die Steuerzahler», sagt Roger Geissberger, Vizepräsident des Super-League-Schlusslichts.

Das Schweigen der anderen

Das Vorgehen der Kapo Aargau wollten auf Anfrage der «Nordwestschweiz» weder die Kantone Basel, Bern, St. Gallen und Zürich noch die Swiss Football League (SFL) kommentieren. «Wir können nur für unsere Stadt sprechen», sagt Roman Kohler, Leiter Kommunikation der Stadtpolizei St. Gallen. «In St. Gallen haben wir von dieser Massnahme noch nie Gebrauch machen müssen und hoffen, dass das auch so bleibt.» Ausschliessen kann Kohler eine allfällige Schliessung des Gästesektors aber nicht.

Auch in Bern will man sich nicht auf die Äste hinaus begeben: «Der Entscheid der Kapo Aargau, den Gästesektor zu schliessen, ist für mich grundsätzlich nachvollziehbar», sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause gegenüber der «Nordwestschweiz». «In der Stadt Bern prüft die Kapo vor jedem Spiel die Sicherheitssituation und entscheidet dann über allfällige Massnahmen.» Ob dereinst der Gästesektor im Berner Stade de Suisse geschlossen werde, könne er nicht pauschal beantworten.

Bleibt die Frage, ob der friedliche Ausgang der Aussperrung der FCZ-Fans als allgemeingültiges Muster herhalten kann. Dass das bezweifelt werden darf, lässt ein Transparent der Muttenzerkurve, das während der Partie des FC Basel gegen den FC Luzern (1:2) gezeigt worden war, vermuten: «Massnahme wie Sektorsperre fiehre zu mee als friedligem Protescht», stand da geschrieben.