FC Basel

Auf den Spuren einer Legende: Andraz Sporar ist die neue Nummer 9 des FC Basel

Drei Millionen Franken für einen Perspektivspieler: Andraz Sporar.

Drei Millionen Franken für einen Perspektivspieler: Andraz Sporar.

Andraz Sporar, der neue slowenische Stürmer des FC Basel, erinnert stark an den jungen Marco Streller. Bereits mit 21 Jahren wurde Sporar in seiner Heimat das, wovon andere Spieler eine Karriere lang träumen: Captain.

Als er Mitte November drei Angebote auf dem Tisch liegen hatte, besprach sich Andraz Sporar nur kurz mit seinem Berater und seinem Vater, um sich dann zurückzuziehen und die Entscheidung über seine Zukunft alleine zu fällen. Die Optionen waren, zu einem der Abstiegskandidaten Ingolstadt oder Hannover in die Bundesliga zu wechseln. Oder in die sportlich schwächere Super League, dort dafür mit dem FC Basel Meister zu werden und sich für die Champions League zu qualifizieren.

In die Schweiz zu gehen, sei ihm sehr leicht gefallen, sagt Sporar: «Ich will Titel gewinnen. Und Basel spielt offensiven Fussball, ich bin Stürmer – das passt perfekt.»

Der Vater ist in Slowenien eine Legende

Die Dinge selber in die Hand nehmen, das tat Andraz Sporar schon immer in seinem Leben: Als es im Alter von sechs Jahren darum ging, sich zwischen dem Tennis- und Fussballklub zu entscheiden, ging er zum Fussball, obwohl die meisten seiner Freunde lieber Tennis spielten.

Welcome in Basel - #9 Andraz Sporar

Welcome in Basel - #9 Andraz Sporar

Aber Olimpija, der Traditionsklub aus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, Heimat der Familie Sporar, hatte eine magische Anziehungskraft auf den jungen Andraz. Vor allem, weil sein Vater Miha jahrelang für Olimpija spielte, Captain war und heute eine Klublegende ist.

Wenn Söhne von berühmten Fussballern versuchen, ihren Vätern nachzueifern, kann das schwierig werden: zu hohe Erwartungen von aussen, zu gross der Druck, den man sich selber macht, um aus dem Schatten des Vaters zu treten. Nicht so bei Andraz Sporar: «Mein Vater ist ein Realist. Er kennt das Fussballgeschäft und weiss, dass es Glück braucht, um Profi zu werden. Gute Väter helfen ihren Söhnen, ihre Träume zu verwirklichen, setzen sie aber nicht unter Druck.»

Alles auf eigene Faust

Und Miha Sporar war demnach ein guter Vater, als er Andraz vor einigen Jahren anbot, einmal bei der sportlichen Leitung von Ljubljana nachzufragen, warum sein Sohn denn hauptsächlich auf der Ersatzbank sitze. Doch Andraz verbot es dem Vater, seine Kontakte spielen zu lassen. Er wollte den Weg zurück in die Stammelf alleine schaffen.

Kurz darauf unterschrieb er seinen ersten Profivertrag und wurde mit 17 Jahren zum jüngsten Stammspieler bei Interblock Ljubljana, dem Ausbildungsklub von Olimpija. «Ich will später einmal zurückblicken und sagen, ich habe alles alleine geschafft. Das ist mir sehr wichtig.»

Die schönsten sechs Monate seines Lebens

2012 ging Sporar, mittlerweile das grösste Talent des slowenischen Fussballs, zurück zu Olimpija. Wo ihn die Fans bereits sehnlichst erwarteten. Sie wussten, da kommt einer, der trägt den Klub im Herzen. Nicht so wie die meisten anderen Spieler, die kommen und schnell wieder gehen. «Ich liebe Olimpija. Ich könnte nie für NK Maribor spielen, die sportlich zwar besser sind, aber auch unser grösster Rivale», sagt Sporar.

Das sind Sätze, für die sie ihn bei Olimpija verehren. Und derentwegen sie Sporar im vergangenen Sommer zum Captain machten. Mit 21 Jahren. «Ich war am längsten im Klub und mittlerweile der beste Spieler bei Olimpija.» Es folgte, was Sporar als die bisher schönsten sechs Monate seines Lebens bezeichnet: Olimpija gewinnt Spiel um Spiel und nimmt Kurs auf den Meistertitel.

Kein «Auf Wiedersehen» an die Fans

Sporar steuert zum Höhenflug unglaubliche 17 Tore in 18 Spielen bei. Am 16. Spieltag gegen Celje trifft er vierfach, hängt zwei Doppelpacks gegen Velenje und Maribor an – und wird dann aus dem Kader genommen. Der Grund: Der FC Basel ist nun gewillt, viel Geld für Sporar zu bezahlen. Knapp drei Millionen Franken, so heisst es in Slowenien. Noch nie wurde mehr bezahlt für einen Spieler aus der slowenischen Liga, für das finanzschwache Olimpija ein Riesengeschäft.

Dieses wollen die Verantwortlichen nicht aufs Spiel setzen. Sporar sagt: «Ich verstehe das, obwohl ich mich gerne auf dem Platz von den Fans verabschiedet hätte.» Diese seien enttäuscht, dass er gegangen sei, weil sie glaubten, mit ihm als Captain und Torschütze liege in dieser Saison der erste Meistertitel seit 1995 drin. Aber sie verstehen Sporar auch, weil es für diesen die Möglichkeit ist, international Karriere zu machen. Sie hoffen einfach, er komme irgendwann zurück zu Olimpija.

Es ist offensichtlich: Position, Status beim Stammklub, der sich abzeichnende Karriereverlauf – Sporar erinnert stark an den jungen Marco Streller. Passend dazu hat er beim FCB das Trikot mit der Nummer 9 übernommen, das seit Strellers Rücktritt verwaist war.

Mehr als ein Perspektivspieler?

Seit zwei Wochen trainiert Sporar nun mit beim FCB. «Ich fühle mich super. Es wird gut gearbeitet, die Mannschaft hat mich direkt akzeptiert.» Obwohl er als Perspektivspieler geholt wurde, der dereinst Breel Embolo ersetzen soll, traut man ihm mittlerweile eine tragende Rolle in der Rückrunde zu.

So gut sind die Trainings- und Testspieleindrücke hier in Marbella, so positiv redet Urs Fischer über seinen neuen Stürmer. Es scheint, als hätte Sporar damals im November richtig entschieden, als er sich zurückzog, um über die Zukunft nachzudenken.

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