Es gibt wichtigere Dinge als Fussball – auch im Leben eines Profis. Das durfte gestern erstmals FCB-Goalie Tomas Vaclik erfahren: Wenige Stunden vor dem Anpfiff des Heimspiels gegen Vaduz kündigten sich bei seiner Freundin Martina die Wehen an. Statt bei der Wiedergutmachung nach der 2:4-Pleite gegen YB das Tor zu hüten, weilte der Tscheche im Spital, um der Geburt seines ersten Kindes, einer Tochter, beizuwohnen.

So kam Stellvertreter Germano Vailati unverhofft zu seinem zweiten Einsatz in Serie. So viel vorneweg: An Vailati lag es nicht, dass nach dem Spielende ein Pfeifkonzert die FCB-Spieler in die Kabine begleitete. Mehr noch: Der 34-jährige Tessiner vereitelte in der 66. Minute die grösste Möglichkeit der Liechtensteiner, als er einen Schuss von Markus Neumayr mittels Blitzreflex an den Pfosten lenkte.

Die Szene kam nicht etwa aus dem Nichts. Nein, Vaduz war in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft und verzeichnete ein klares Chancenplus. Ein Punktgewinn des krassen Aussenseiters wäre verdient gewesen. Trainer Giorgio Contini hat gestern erneut bewiesen, dass er in der Abgeschiedenheit des Ländles hervorragende Arbeit leistet. Trotz der 0:1-Niederlage – mit weiteren Auftritten wie gestern im St. Jakob-Park dürfte Aufsteiger Vaduz den Klassenerhalt locker erreichen.

Wenig Power in der Offensive

Zum FC Basel: Dem ist die Rehabilitation eine Woche nach dem enttäuschenden Auftritt in Bern nur resultatmässig gelungen. Die Problemzone war wie in allen Partien in diesem Jahr das Mittelfeld. Daran änderte auch die Hereinnahme von Matias Delgado nur wenig: Der Argentinier sorgte nur in der Anfangsphase für die von ihm erhoffte Kreativität, danach tauchte er ab.

Und sonst? Adama Traoré war bei seinem Startelf-Debüt defensiv zuverlässig, im Vorwärtsgang mangelt es dem Ivorer an Schnelligkeit. Regisseur Fabian Frei hatte seine auffälligste Szene, als er in der 41. Minute eine Flanke von Schär zum Siegtreffer einnickte. Breel Embolo holte den zweifelhaften Freistoss vor dem 1:0 heraus und vergab in der Schlussminute die endgültige Siegsicherung – mehr nicht. Topskorer Shkelzen Gashi ward nach seiner Einwechslung nicht gesehen.

Fehlendes Selbstvertrauen

Sind die Spieler gefangen im Taktik-Korsett von Trainer Paulo Sousa? Mangelt es nach den brillanten Vorstellungen im Spätherbst an der Einstellung? Captain Marco Streller erklärt die Frühjahrs-Formkrise so: «Uns fehlt es an Selbstvertrauen! Wenn sechs, sieben Spieler nicht auf Touren kommen, haben auch wir Mühe. Die Gegner spüren, dass wir unsicher sind, die Fans auch.» Zu deren Pfiffen sagte er: «Wäre ich heute auf der Tribüne gesessen, hätte ich wohl auch gepfiffen.»

Immerhin: Der FC Basel hat auch im 18. Jahr hintereinander das erste Spiel nach der Fasnacht nicht verloren. Erfahrungsgemäss braucht Rot-Blau zu Beginn jedes Halbjahres einige Partien, um ins Rollen zu kommen. Doch viel Zeit, den Schalter umzulegen, bleibt nicht mehr: Am Mittwoch folgt der Cup-Viertelfinal in Münsingen, gefolgt vom Heimspiel gegen Thun – spätestens dann muss der FCB in Hochform sein, will er in Porto erstmals in der Klubgeschichte in die Champions-League-Viertelfinals einziehen.

Basel - Vaduz 1:0 (1:0)

25'304 Zuschauer. - SR San. - Tor: 41. Frei (Schär) 1:0.

Basel: Vailati; Xhaka, Schär, Suchy, Traoré (85. Philipp Degen); Frei; Gonzalez, Delgado (70. Elneny), Zuffi; Streller (64. Gashi), Embolo.

Vaduz: Jehle; von Niederhäusern, Stahel, Grippo, Aliji; Hasler, Muntwiler, Ciccone (82. Kuzmanovic); Burgmeier (62. Sutter), Neumayr, Lang (62. Schürpf).

Bemerkungen: Basel ohne Ivanov (verletzt). Vaduz ohne Kryeziu (gesperrt), Pergl, Cecchini und Untersee (alle verletzt). 66. Pfostenschuss Neumayr. Verwarnungen: 23. Zuffi (Foul), 41. von Niederhäusern (Reklamieren), 42. Neumayr (Foul), 48. Frei (Foul), 80. Suchy (Foul).

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