Was für eine Schlussphase! Was für ein Drama! Ein letztes Mal rollt die rote Welle auf FCB-Goalie Vaclik zu. Doch die Flanke ist zu schwach, um den Tschechen in Verlegenheit zu bringen. Dann ertönt der Schlusspfiff. Alle Basler liegen sich in den Armen. Am Spielfeldrand applaudiert das Betreuerteam. Die Fans toben. Die Anfield Road wird zur Basler Festhütte.

2002 Liverpool, 2011 Manchester United, 2014 erneut die «Reds» – der FCB wirft zum dritten Mal einen englischen Riesen aus der Champions League und überwintert im Klub der 16 besten Teams Europas. Erstmals gelingt die Qualifikation auf fremdem Boden – und dies im Fussballtempel Anfield Road. «Wenn wir es schaffen sollten, wird nicht nur ganz England auf uns schauen», prophezeite Präsident Bernhard Heusler. Wie wahr.

Liverpool hatte nicht den richtigen Plan

Zum Spiel: Wir wollen Liverpool-Trainer Brendan Rodgers nicht unterstellen, er habe seine Mannschaft ohne Plan in das wichtigste Spiel der Saison geschickt. Doch entweder hat die Mannschaft bei Rodgers Ansprache nur Bahnhof verstanden – oder es war schlichtweg der falsche Plan. Kein Aufbäumen, nicht der Ansatz eines Spielzuges, nichts. Erschreckend für die Liverpool-Fans, von denen einige bereits in der Halbzeitpause das Stadion wutschnaubend verlassen.

Ganz anders der FC Basel. Nach einer Viertelstunde des Angewöhnens an die Atmosphäre im Tollhaus Anfield Road hat er die Angelegenheit im Griff. Die Gäste spielen mit dem Selbstverständnis, das man beim Vergleich der Antipoden eigentlich von den «Reds» erwartet. Man könnte auf jeden Einzelnen aus dem Kollektiv ein Loblied singen.

Besonders tun sich fünf Akteure hervor: Schär, der mit seinen Spielauslösungen an den grossen Franz Beckenbauer erinnert. Zuffi, der die Bälle magistral verteilt. Gonzalez, der die Linie wie ein Irrer hoch- und runter sprintet. Streller, der zum wiederholten Male beweist, dass 196 cm Körperlänge kein Hindernis für eine feine Ballbehandlung sind. Und Fabian Frei, der nach 2011 in England erneut zum Riesentöter avanciert.


Vor drei Jahren leitet Freis Anschlusstreffer zum 1:2 die Basler Aufholjagd beim 3:3 in Manchester ein. Gestern stösst er in der 25. Minute mit seinem chirurgisch präzisen Flachschuss von der Strafraumgrenze die Tür in die Achtelfinals ganz weit auf. Nach dem 1:0 haben Gonzalez und Streller die frühzeitige Entscheidung auf dem Fuss, scheitern aber an sich selbst.

Gerrard bringt Hoffnung zurück

Egal. Von Liverpool kommt vor dem Seitenwechsel nichts mehr. Und als der eingewechselte Markovic nach einer Tätlichkeit an Safari vom Platz fliegt, scheint der Gegner endgültig erlegt.

Doch da gibt es ja noch Steven Gerrard. Die alternde Klublegende, die gestern 80 Minuten lang vom Druck überfordert ist. Dann aber doch die Hoffnung nach Anfield zurückbringt. Ein Genuss, wie er aus 20 Metern einen Freistoss direkt in die hohe Ecke verwandelt.

So wird die Schlussphase zum nicht mehr erwarteten Krimi. Erinnerungen kommen hoch an 2004, als Liverpool gegen Olympiakos in letzter Minute den Sprung in die Achtelfinals schafft. Doch anders als vor einem Jahr, als sich auf Schalke die Fussballgötter gegen die Basler verschwörten, hat der FCB das Wettkampfglück auf seiner Seite.

Liverpool - Basel 1:1 (0:1)

44'000 Zuschauer. - SR Kuipers (Ho). - Tore: 25. Frei (Zuffi) 0:1. 81. Gerrard (Freistoss) 1:1.

Liverpool: Mignolet; Johnson, Skrtel, Lovren, Enrique (46. Moreno); Lucas (74. Coutinho), Allen; Sterling, Gerrard, Henderson; Lambert (46. Markovic).

Basel: Vaclik; Xhaka, Schär, Suchy, Safari; Elneny (83. Diaz), Frei; Gonzalez, Zuffi (87. Samuel), Gashi; Streller (74. Embolo).

Bemerkungen: Liverpool ohne Balotelli, Flanagan, Suso, Sturridge und Touré, Basel ohne Ivanov, (alle verletzt), Sio und Serey Die (beide nicht im Aufgebot). 61. Rote Karte gegen Markovic (versuchte Tätlichkeit). Verwarnungen: 47. Lucas. 66. Lovren. 77. Moreno (alle wegen Fouls). 80. Schär (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 44. Tor von Gashi aberkannt (Offside).

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Scribblelive bz: FC Liverpool - FC Basel