Champions League

FC Basel: Verteidiger Daniel Hoeghs fehlende Erfahrung, die sich rächt

Blickt auf einen rabenschwarzen Abend zurück: FCB-Innenverteidiger Daniel Hoegh.

Blickt auf einen rabenschwarzen Abend zurück: FCB-Innenverteidiger Daniel Hoegh.

Beim 2:2 des FC Basel im Hinspiel der Champions-League-Playoffs gegen Maccabi Tel Aviv fielen ausgerechnet jene Spieler ab, die noch nie in der Champions-League-Gruppenphase spielten. Daniel Hoegh, Birkir Bjarnason und Michael Lang können kaum internationale Erfahrung vorweisen.

Auf Schönrednerei hatte Daniel Hoegh keine Lust. «Wie ich mich fühle? Scheisse!», sagte der Däne. Eine halbe Stunde zuvor ermöglichte Hoegh mit einem stümperhaften Fehlpass und dem anschliessenden Stellungsfehler Maccabis Zahavi in der 96. Minute den Ausgleich zum 2:2. «Mein Pass war idiotisch. So ist das auf diesem Niveau: Gibst du dem Gegner den kleinen Finger, nimmt er die ganze Hand.»

Hoegh war die tragische Figur an diesem bitteren Abend für den FC Basel. Schon in der ersten Halbzeit stellte sich der 24-Jährige naiv an, als er ohne Not zur Grätsche ansetzte und so den Freistoss verursachte, der zum 0:1 führte. Einfach Pech war dann, dass ihm der schwache Schiedsrichter William Collum in der 75. Minute ein reguläres Tor verweigerte. 

Ist es Zufall, dass ausgerechnet Hoegh am Ursprung der zwei Gegentore stand? Ist es Zufall, dass ausgerechnet Michael Lang beim 0:1 Torschütze Zahavi aus den Augen verlor? Und ist es Zufall, dass ausgerechnet der bis anhin so überzeugende Birkir Bjarnason gegen die Israeli blass blieb? Oder ist es nicht vielmehr die fehlende internationale Erfahrung, die dem Trio abgeht?

Fehlt Glück, kommt Pech dazu

Internationale Erfahrung. Für Georg Heitz, den FCB-Sportdirektor, bedeutet dies «die Fähigkeit, auch unter grossem Druck keine Fehler zu machen. Und die Champions-League-Playoffs bedeuten für die meisten Spieler grossen Druck». Ausser Hoegh, Lang und Bjarnason haben alle, die gegen Maccabi in der Basler Startformation standen, zuvor schon einmal in der Gruppenphase der Champions League gespielt. Also auf allerhöchstem Niveau.

Ganz anders der Däne, der Schweizer und der Isländer. Sie haben vor ihrem Wechsel zum FCB in diesem Sommer mit der Nationalmannschaft und auf Klubebene zwar internationale Spiele bestritten, das Gütesiegel Champions League aber fehlt. Unisono sagten sie vor dem Start in die Qualifikationsspiele, dass die Gruppenphase das Ziel ihrer Träume sei.

Ohne zu wissen, was genau sie auf dem Weg dahin erwartet: Unbekannte Gegner, eine hohe Intensität und dauernd im Hinterkopf die Gewissheit, dass es für den FC Basel um satte 22 Millionen Franken geht.

Erfahrung lässt sich schlecht kaufen

Rot-Blau verfügt auf dem Transfermarkt über eine für Schweizer Verhältnisse immense Finanzkraft. Doch Champions-League-erprobte Spieler wählen in den seltensten Fällen den Weg nach Basel. Und so muss man im FCB darauf hoffen, dass auf dem steinigen Weg zu den Champions-League-Millionen die individuelle Qualität die fehlende Erfahrung wettmacht.

Heitz: «Internationale Erfahrungen sammeln heisst auch, Fehler zu machen und daraus zu lernen.» Seit 2009 ging die Rechnung in zwei von drei Fällen auf und der FCB zog in die Gruppenphase ein – einzig 2012 war in den Playoffs Cluj Endstation.

Und trotzdem gibt es sie. Spieler mit Champions-League-Erfahrung, die zum FCB kommen. Sie sind dann geleitet von Emotionen wie Zdravko Kuzmanovic, der trotz lukrativen Offerten aus England zu seinem Herzensklub zurückkehrte. Doch der Serbe, der mit Stuttgart und Florenz in der Königsklasse spielte, fehlte am Mittwoch wegen einer Verletzung und mit ihm dem FCB eine ordnende Hand.

Und Stürmer Marc Janko, der zweite Neuzugang, dem das Gütesiegel Champions League anhaftet (mit Twente Enschede), musste nach 13 Minuten verletzt vom Platz und fehlte danach als Anspielstation.

Zuversicht trotz gewichtigen Ausfällen

Die Ausfälle von Kuzmanovic, Janko und des gesperrten Aggressivleaders Taulant Xhaka deuten es an: Es lief am Mittwochabend einfach auch sehr viel gegen den FCB. Verletzungen, falsche Schiedsrichterentscheide, die brutale Effizienz der Israeli. «Wir hätten nach 20 Minuten 3:0 führen können und niemand hätte etwas gesagt», sagt Heitz.

Nervosität kommt wegen des schlechten Resultats nicht auf beim FCB – ganz im Gegenteil. «Wir sind die bessere Mannschaft als Tel Aviv. Ich bin überzeugt, wir erreichen die Gruppenphase», sagte der überragende Breel Embolo. Trainer Urs Fischer ist sich sicher, dass seine Mannschaft den Gegner auch in dessen Stadion 90 Minuten dominieren könne: «Manchmal ist es einfach: Wir dürfen keine Geschenke mehr verteilen, sonst müssen wir nichts verändern.»

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