Nicht auch noch er. Dieser Gedanke ging wohl den meisten durch den Kopf, als Manuel Akanji in der Pause des Spiels zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel verletzungsbedingt in der Kabine bleiben musste. Es ist die bereits achte Muskelverletzung seit Start der Saison. Eine Zahl, die Fragen aufwirft. Und Cheftrainer Urs Fischer zu Antworten zwingt. «Wir werden trotz der Verletzung von Manuel Akanji elf Spieler auf den Platz bringen. Natürlich ist die Personaldecke vor allem im Abwehrzentrum dünn. Aber Walter Samuel ist auf dem Weg zurück, er konnte gestern und heute mit der Mannschaft trainieren und wäre fit, sollte es knüppeldick kommen.»

Ausserdem sei man sich der Problematik der vielen Verletzungen bewusst und werde im Winter nochmal zusammensitzen – sowohl Techniker als auch Mediziner – und über die Bücher gehen. «Es ist ja klar, dass wir mit dieser Situation nicht zufrieden sind.» Und damit war das Thema Verletzungen für Fischer abgeschlossen.

Nicht aber so für die anwesenden Medienschaffenden. Immer wieder wurde nachgefragt, wie Fischer sich die Häufung der Verletzungen erkläre, was er dagegen unternehmen wolle und wer Schuld daran trage. 

«Verletzungen gehören zum Fussball dazu, das ist Teil dieses Sports. Und vielleicht haben wir auch einfach etwas Pech», sagt ein sichtlich genervter Fischer. «Wir spielen morgen gegen Florenz und wir reden nur über verletzte Spieler?», so seine ungläubige Frage in die Runde. 

Urs Fischer will lieber über das Spiel gegen Fiorentina sprechen als über die vielen Verletzten.

Urs Fischer will lieber über das Spiel gegen Fiorentina sprechen als über die vielen Verletzten.

Denn tatsächlich steht morgen mit Florenz ein wichtiger Gegner an. Nicht nur, weil es jener Gegner ist, mit dem man sich in der Europa-League-Gruppe um Platz 1 streiten muss, sondern auch, weil bei der Fiorentina Paulo Sousa an der Seitenlinie steht. Auf erste Nachfragen nach dem Gegner reagierte Fischer erst mit einem «schön, kommen wir jetzt auf das Spiel von morgen zu sprechen.» Doch auch bei diesem Thema musste Fischer sich vorerst rechtfertigen. Zwei Niederlagen in der Liga am Stück haben Fragen aufgeworfen. «Eines ist klar, die Niederlage gegen GC war unglücklich. Und jene gegen St. Gallen hat uns schon beschäftigt.» Man habe den Spielbetrieb zwar nicht eingestellt nach 25 Minuten, aber dennoch nicht gleich weitergespielt wie zuvor. «Verlieren gehört auch beim FCB dazu. Aber die Art und Weise hat nicht nur mir, sondern auch den Spielern nicht gepasst.»

Und genau diese Art und Weise zu spielen, dieses Nachlassen nach wenigen Minuten und sich Ausruhen auf dem Vorsprung gelte es gegen Fiorentina zu vermeiden. «Das müssen wir morgen besser machen. Wir müssen über 90 Minuten gewillt sein, alles zu zu geben, das Eins gegen Eins über die ganze Spieldauer annehmen und dann liegt auch etwas drin.» Man sei einfach zu bequem geworden nach dem Führungstor in der fünften Minute. Oder anders gesagt. «Wir müssen versuchen, über 90 Minuten an unserem Konzept festzuhalten, und damit tun wir uns noch schwer.» Doch dieses Problem zu beheben, sei eben nicht so einfach. «Das lässt sich nicht mit einem Knopfdruck beenden.»

Doch gegen Florenz muss der FCB dies zumindest versuchen. Denn der morgige Gegner ist stärker, als es ein GC oder ein St. Gallen sind – bei allem Respekt. Und das weiss auch Fischer. Auch wenn er nichts davon wissen will, dass Fiorentina seit dem ersten Aufeinandertreffen vor zwei Monaten stärker geworden ist und die Philosophie von Sousa verinnerlicht hat, ist er gewarnt. «Sie sind sehr gut unterwegs. Es ist eine Mannschaft, die Ballbesitz will, den Gegner unter Druck setzt, sehr gefährlich ist in der Vorwärtsbewegung und hinten kaum etwas zulässt.»

Es darf damit gerechnet werden, dass Sousa seine beste Elf auf den Platz schickt. Beim 2:2 am Wochenende gegen Empoli wurden sechs nominelle Stammkräfte auf die Bank gesetzt, wohl, um sie für morgen zu schonen. «Ich weiss, dass er im Hinspiel mit der besten Mannschaft gespielt hat, und gehe davon aus, dass es auch morgen so sein wird», so Fischer. «Aber wir werden sowieso gefordert sein, ob 1A-Mannschaft oder nicht.»