Dem Vernehmen nach haben die Spieler des FC Basel die rauschende Partynacht nach dem Gewinn des Meistertitels gut überstanden, die ganz grossen Nachwehen blieben aus. So bot sich am gestrigen freien Tag die Gelegenheit, vor dem inneren Auge die lange Meister-Saison Revue passieren zu lassen. Oder sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was da kommt. Was da kommt, wenn am Abend des 7. Juni, dem Tag des Cupfinals, die Saison endgültig beendet ist.

Der grosse Gewinner: Tomas Vaclik.

Der grosse Gewinner: Tomas Vaclik.

Die drängendste Frage ist – wenig überraschend – die nach der Zukunft des Trainers. Für sportlichen Erfolg hat Paulo Sousa beim FCB zweifellos gesorgt. Doch von Liebe kann man mit Blick auf das Verhältnis zwischen dem Portugiesen und den Spielern nicht sprechen. Zweckgemeinschaft trifft es wohl besser. Und dennoch sagte Sportdirektor Georg Heitz am Sonntag: «Ich gehe davon aus, dass wir mit Paulo Sousa in die nächste Saison gehen.» Er habe bislang keine Anzeichen in eine andere Richtung. Doch weiss auch Heitz, dass sich dies schnell ändern kann: ein passendes Angebot – und Sousa wird kaum zögern, es auch anzunehmen. Und was man so hört, würde der FCB nicht alles unternehmen, um den Reisenden aufzuhalten. Zweckgemeinschaft halt.

Die Unklarheit über die Zukunft umgibt auch das Spielerkader. Von der Nummer 1 bis zur Nummer 15 steht jeder irgendwo auf einer Liste, eine Folge der internationalen Erfolge von Rot-Blau. Passen für den FCB die Ablösesumme und für den Spieler Lohn sowie sportliche Perspektiven, stimmt der FCB einem Transfer zu. «Wir hatten 2014 einen gröberen Umbruch, jetzt erwartet uns der nächste», sagt Sportdirektor Georg Heitz.

Der grosse Verlierer: Yoichiro Kakitani.

Der grosse Verlierer: Yoichiro Kakitani.

Am Sonntag waren mehrere Vertreter von Vereinen aus europäischen Topligen im Stadion. Hauptsächlich in deren Fokus: Fabian Frei, Fabian Schär, Marek Suchy, Mohamed Elneny, Breel Embolo und Taulant Xhaka. Der Sportchef des VfB Stuttgart, Robin Dutt, wurde beobachtet, wie er sich angeregt mit Frei-Berater Gaetano Giallanza unterhielt. Der sagt gegenüber der «Nordwestschweiz»: «Beim FCB sind einige Spieler unter Vertrag, die für einen Bundesliga-Klub wie Stuttgart interessant sind.» Für seinen Klienten gebe es mehrere Anfragen aus der Bundesliga – und: «Fabian ist am Punkt angekommen, an dem er sich wünscht, dass ein Wechsel klappt. Am liebsten in die Bundesliga.» Gemäss «Nordwestschweiz»-Recherchen sucht Stuttgart, das in der Bundesliga noch um den Klassenerhalt zittert, jedoch keinen Regisseur wie Frei, sondern einen Innen- sowie einen Linksverteidiger. Was wiederum bedeuten könnte, dass sich Dutt Suchy und den polyvalenten Xhaka angeschaut hat.

Basel ausser Rand und Band

Basel ausser Rand und Band

Jetzt, wo der Titel gesichert ist, liegt der Fokus beim FCB auf den Planungen für die nächste Saison. Heute sollen sich die Verwaltungsräte um Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Heitz versammeln und die wichtigsten Personalien besprechen. Vor allem: Welche neuen Spieler möchten wir holen? Denn wer wie der FCB Jahr für Jahr Leistungsträger abgibt, der muss die entstandenen Lücken wieder auffüllen.

Spannend war das Meisterrennen für den FCB nie – umso grösser die Herausforderungen, die jetzt auf ihn warten.

Marco Streller: Erste Worte nach der Bekanntgabe seines Rücktritts.

Marco Streller: Erste Worte nach der Bekanntgabe seines Rücktritts.