Man konnte im Vorfeld der Partie Aarau gegen Basel, einem Duell wie David gegen Goliath, davon ausgehen: Für Tomas Vaclik wird das erste Pflichtspiel im FCB-Goalietrikot ein ruhiges. Aber nein, über zu wenig Arbeit konnte er sich nicht beklagen. Am Ende prangten auf der Resultatstafel zwar die Namen der Basler Torschützen Breel Embolo und Naser Aliji. Ein wenig durfte sich nach dem Abpfiff jedoch auch Vaclik als Matchwinner fühlen: Er war Wegbereiter des ersten Saisonsieges. 

Schon in der siebten Spielminute mussten sich die Kollegen beim Tschechen dafür bedanken, dass sie in der brutalen Hitze nicht früh einem Rückstand hinterherrennen mussten. Vaclik parierte gleich zweimal brillant – erst den Versuch von Luca Radice, dann den Nachschuss von Daniel Gygax, eine 100-prozentige Torchance. Acht Minuten später führten die Gäste aus Basel dank des Treffers von Breel Embolo.

Das gleiche Szenario vor dem 2:0: Vaclik warf sich in der 35. Minute furchtlos in den Schuss von Stephan Andrist – kurz darauf erhöhte auf der anderen Seite Naser Aliji die Basler Führung.

Vacliks Fehler führte zum Gegentor

Ansonsten strahlte der 25-Jährige viel Ruhe aus, zeigte keinerlei Schwächen in der Strafraumbeherrschung und pflückte die Flankenbälle so gekonnt wie ein Bauer die Kirschen. Mit einer Einschränkung: In der 85. Minute stand Vaclik mit einem verunglückten Abwurf auf den von zwei Aarauern bewachten Serey Die am Ursprung des Anschlusstreffers, der die Basler in der Schlussphase um den Sieg zittern liess. Entsprechend heftig fiel die Schelte von Trainer Paulo Sousa aus, der Vaclik mit lauten Worten und grossen Gesten klarmachte, was er hätte tun sollen: Den Ball einfach nach vorne kicken.

Es wurde viel geschrieben im Voraus – mit dem immer gleichen Grundtenor: Die Lücke, die Yann Sommer im FCB-Tor hinterlassen hat, ist nicht zu füllen. Schon gar nicht von einem 25-jährigen Tschechen, der international – abgesehen vom EM-Halbfinal mit der U21-Nationalmannschaft – noch keine Stricke zerrissen hat. Doch am Samstagabend, hinter ihm lagen die ersten 90 Minuten mit Vaclik im Tor, sagte Fabian Frei: «Es hat sich wie immer angefühlt. Ich habe Yann keine Sekunde vermisst.» Gibt es ein grösseres Lob für den Debütanten?

Gewinner, aber auch Verlierer

Neben Vaclik brachte das erste Ligaspiel unter Paulo Sousa weitere Gewinner hervor: Teamsenior Matias Delgado leitete beide Treffer ein und versprühte Spielfreude, wie man es im letzten Jahr nie von ihm gesehen hat. Im Abwehrzentrum überzeugten Taulant Xhaka und Behrang Safari, obwohl sie vorher noch nie dort gespielt hatten. Und nicht zuletzt darf sich die Jugend als Gewinnerin fühlen: Mit Embolo (17) und Aliji (20) erzielten die zwei Jüngsten auf dem Platz die Tore, auf der Bank sass mit Michael Gonçalves (19) ein weiteres Verteidigertalent.

Auch wenn es für endgültige Fazite noch zu früh ist, so konnte man doch Verlierer ausmachen: Allen voran Gaston Sauro, der noch nicht einmal auf der Ersatzbank sass – trotz der Abwesenheit von Fabian Schär und Ivan Ivanov. Der argentinische Innenverteidiger erhoffte sich von Sousa mehr Vertrauen als von Murat Yakin. Bleibt Sauro auch im nächsten Spiel gegen Luzern aussen vor, wird er sich wohl wie schon einige Male zuvor nach einem neuen Klub umschauen. Dieses Mal mit dem Nachdruck, den FCB auch wirklich verlassen zu wollen. Wie lange Davide Callà seinen Platz in der Startelf behaupten kann, hängt wohl davon ab, wie schnell die Integration der WM-Teilnehmer und von Neuzugang Kakitani verläuft. Werbung in eigener Sache konnte Callà am Samstag jedenfalls keine machen.

Eines haben die Vorbereitungsphase und das erste Pflichtspiel auch gezeigt: Seit Paulo Sousa den FCB trainiert, stehen Vorhersagen über System und Startelf auf wackligen Beinen. Gut möglich, dass das Bilanzieren über Gewinner und Verlierer nach dem Heimspiel gegen Luzern wieder von vorne losgeht.