Luxus

Baselworld wird kürzer und günstiger – Messe-CEO sagt: «Damit setzen wir ein Signal»

Erschwinglicher Luxus an der Baselworld: Uhren der Marke Omega.

Erschwinglicher Luxus an der Baselworld: Uhren der Marke Omega.

Die Uhren- und Schmuckmesse wird ab nächstem Jahr kürzer und günstiger. Messe-CEO Kamm erklärt die Hintergründe dieses Entscheids.

Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld verzeichnete dieses Jahr vier Prozent weniger Fachbesucher, teilt die Baselworld mit. Das zeichnete sich ab, weil die Zahl der Aussteller um 200 auf 1300 sank. Sie wird im nächsten Jahr nur noch sechs statt acht Tage dauern. Das sei im Gespräch mit den Ausstellern und im Einvernehmen mit den verschiedenen Nutzer-Komitees beschlossen worden. Für die Standbetreiber sinken dabei die Kosten, einerseits, weil die Messe ihre Tarife reduzieren wird (Ausmass noch nicht bekannt), andererseits, weil weniger Hotel- und Restaurationskosten anfallen werden.

Herr Kamm, Wie war nach Ihrer Einschätzung die Baselworld 2017?

René Kamm: Im Rahmen unserer Erwartungen. Aber man muss sehen: die waren nicht die gleichen wie noch vor zwei Jahren. Seit knapp zwei Jahren haben wir eine Absatzkrise in der Uhren- und Schmuckindustrie. Unsere Erwartungen waren deshalb zurückhaltend. Positiv war, dass die Aussteller besser gearbeitet haben als an der Messe 2016. Damals waren die Händler, weil der Rückgang eingesetzt hatte, extrem zurückhaltend. Und so war die Stimmung. 2017 hatten wir weniger Aussteller, weil sich der Markt konsolidiert hat und einige Anbieter verschwunden sind.

«Preissenkungen – ein solches Signal würde mich übrigens auch von der hiesigen Hotellerie freuen»: Messe-CEO René Kamm.

«Preissenkungen – ein solches Signal würde mich übrigens auch von der hiesigen Hotellerie freuen»: Messe-CEO René Kamm.

Jetzt wollen Sie die Messe um zwei Tage verkürzen.

Richtig. Die Messe lebt von einem diversifizierten Angebot, von unterschiedlichen Sektoren der Branche: Uhren, Schmuck, Edelsteine, Werkzeuge, Verpackungen etc. Selbstverständlich sind die Ansprüche sehr verscheiden. Insbesondere die grossen Uhrenaussteller haben bisher immer auf einer Ausstellungsdauer von acht Tagen beharrt. Sie hatten bis zum letzten Tag Kundentermine. Das ist heute nicht mehr bei allen so. Sie waren einverstanden, dass man die Messedauer verkürzt, dies vor allem, um die kleineren Schmuckhersteller zu unterstützen.

Viele Geschäfte werden schon vor der Messe getätigt – könnte die Messe nicht vorverlegt werden, sodass sie zeitlich zur Genfer Messe, dem Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH), rückt?

Es ist unrealistisch, eine Baselworld im Januar abzuhalten. Da haben die meisten Händler noch nicht einmal den Jahresabschluss gemacht und wissen nicht, wie viel Geld sie zur Verfügung haben. Zudem ist ein Termin vor dem chinesischen Neujahr nicht optimal. Das würde von den meisten Ausstellern abgelehnt. Der SIHH müsste die Daten so legen, dass es passt, aber da müsste er die Stadt wechseln, weil es in Genf zur Kollision mit dem Autosalon käme. Aber es stimmt, es ist suboptimal, wenn ein Händler aus Übersee zwei mal nacheinander in die Schweiz reisen muss. Eine Lösung zu finden ist aber nicht so einfach.

Einige Aussteller sagen, sie können sich die Baselworld nicht mehr leisten. Überlegen Sie sich, die Standmieten zu senken?

Die generelle Kritik, wir hätten zu hohe Mieten, muss ich zurückweisen. Ein Schmuckhersteller kann bei uns im Design Lab auf einer kleinen Fläche für 5000 Franken ausstellen. Und wenn sie an der Weltmesse für Uhren und Schmuck, an die Einkäufer aus der ganzen Welt kommen, für 5000 Franken dabei sein können, kann man nicht sagen, dass die Messe exorbitant teuer sei. Tatsache ist, dass unser Team 500 Firmen für diesen Sektor angefragt und nach fünf Monaten 30 Zusagen hatte. Dies illustriert, dass es vielen Schmuckfirmen derzeit leider sehr schlecht geht. Die Kritik der hohen Preise kommt übrigens viel häufiger von den Ausstellern mit den kleinen Ständen als von den Grossen.

Als Ökonom müssten Sie sagen: Das ist eine Preisfrage. Wenn der Preis sinkt, steigt die Nachfrage...

Die von ihnen angesprochene Preiselastizität könnte allenfalls dort wirken, wo wir neuerdings keine ganz vollen Hallen haben, zum Beispiel in den Hallen 2 und 4. Wir dürfen aber nicht naiv sein und glauben, mit einer generellen Preissenkung die Branchenkonsolidierung aufhalten zu können. Aber jetzt die gute Nachricht: Im Rahmen der Verkürzung der Messe werden wir die Preisgestaltung nach unten anpassen. Das ist im Detail noch nicht definiert. Man muss dazu wissen: Die Messe hat durch diese Kürzung von zwei Messetagen nicht weniger Kosten, diese bleiben gleich. Aber wir zeigen Goodwill und setzen ein Signal. Wir werden vor allem den kleineren Ausstellern damit noch einen Schritt mehr entgegenkommen. Ein solches Signal würde mich übrigens auch von der hiesigen Hotellerie freuen.

Sie haben im Konzern MCH Group einen Einnahmeausfall. Wie wollen Sie den kompensieren?

Wir verfolgen unter anderem eine Internationalisierungsstrategie. Im Kunstmessebereich zum Beispiel bieten wir neue Dienstleistungen an und beteiligen uns an Regionalmessen auf allen Kontinenten. Wir planen zudem Firmenübernahmen im Ausland im Bereich der Event- und Messedienstleistungen.

Wenn die Zahl der Aussteller an der Baselworld weiter abnimmt, wann erreicht die Messe die minimale kritische Grösse, um überhaupt noch repräsentativ zu sein?

Als ich 1999 zur Messe stiess, hatten wir 2500 Aussteller, aber die Messe war deutlich kleiner. Wir haben die Ausstellerzahl in den Jahren darauf sukzessive auf 1500 reduziert, sind dabei aber flächenmässig gewachsen. Es macht für einen Einkäufer wenig Sinn, auf einer Messe 100 mal das gleiche Halsband zu sehen. Der Rückgang von rund 200 Ausstellern gegenüber dem vergangenen Jahr war nun aber leider marktbedingt und nicht von uns gewollt. Die Frage der Repräsentativität pro Sektor ist schwierig zu beantworten, so gibt es im Schmuckbereich zwar immer noch Hunderte von Anbietern, aber eigentlich nur etwa 10 wirklich global tätige Schmuckmarken.

Der Onlinehandel bringt den Detailhandel unter Druck. Da bahnt sich eine enorme Entwicklung an. Ihr «Live Marketing» wandelt sich zu einem «virtual Marketing». Gerät da nicht auch das Geschäftsmodell der Messe in Gefahr?

Wir sind mitten in einem riesigen Veränderungsprozess, ausgelöst durch die zunehmende Digitalisierung. Viele Fachmessen werden sich deshalb in den kommenden Jahren ebenfalls verändern. Ich glaube aber nicht, dass das Live Marketing generell gefährdet ist. Im Gegenteil: Die Social Media Generation sucht auch reale Erlebnisse. Ein Fussballspiel live zu erleben ist etwas anderes als am TV oder Smartphone. Das reale Erlebnis wird aber sofort mit anderen über die sozialen Kanäle geteilt.

Die Baselworld beispielsweise haben wir deshalb in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Medien-Hub für die Uhren- und Schmuckindustrie ausgebaut. Wir hatten dieses Jahr rund 4500 Journalisten in Basel und der Anlass bzw. die gezeigten Produkte wurden letztlich von zig Millionen Personen auf der ganzen Welt wahrgenommen.

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