Die Digitalisierung durchdringt zwar fast alle unsere Lebensbereiche, wird aber teilweise suboptimal genutzt. Zur besseren digitalen Vernetzung der Region haben die IWB und der Gewerbeverband den Verein «Smart Regio Basel» ins Leben gerufen.

Alle sollen davon profitieren, und zwar sowohl Privatpersonen wie auch Firmen. Bei der Ideenfindung soll auch die Bevölkerung eingebunden werden. Wir haben vor der am Montag stattfindenden Info-Veranstaltung in Basel mit dem Präsidenten des Vereins, alt Regierungsrat Christoph Eymann, gesprochen.

Herr Eymann, sie wandeln sich vom Regierungsrat zu einem Vereinspräsidenten. Wie und warum sind sie auf diesen Verein gestossen?

Christoph Eymann: Bereits im vergangenen Jahr bin ich von Seiten des Gewerbeverbandes und der IWB angesprochen worden, ob ich das ehrenamtliche Präsidium des Vereins übernehmen wolle. Vor dem Ablauf meiner Amtszeit als Regierungsrat wollte ich aber meine Zusage nicht öffentlich kommunizieren. Mich fasziniert, dass die Digitalisierung alle Lebensbereiche betrifft.

Hier möchte ich gerne mithelfen, dass der Nutzen der Bevölkerung und des Gewerbes anvisiert wird. Kurz: die Entwicklung soll der Bevölkerung etwas nützen, aber man soll die neuen Kommunikationsmöglichkeiten kommerziell nutzen können, also damit auch Geld verdienen können.

Was kann man mit einem solchen Verein besser erreichen, was nicht ohnehin geschieht? Was kann er besser als Private oder Firmen?

Eine Frage, die wir uns natürlich auch stellen. Firmen oder Personen, die ohnehin mit der Thematik befassen, brauchen diesen Verein nicht. Hier gibt es bereits viele Angebote, wenn man beispielsweise an e-Banking denkt, etc. Wir müssen vor allem an die denken, die alleine nicht in der Lage sind, solche Entwicklungskosten zu finanzieren. Wir sollten in Bereichen tätig werden, die geschäftlich wenig erschlossen und vielleicht unrentabel sind, wo aber ein Nutzen für die Bevölkerung besteht.

Im weiteren Sinn eine politische Aufgabe. Ein Beispiel?

Im Kanton Tessin gibt es eine Karte und eine App mit den Standorten von Defibrillatoren für eine Reanimation bei Herzkrisen. Auch das entsprechende Personal kann mit der App abgerufen werden. Im Kanton Tessin ist die Zahl der Todesfälle nach Herzinfarkten deutlich gesunken. Das Thema steht bei uns weit oben auf der Traktandenliste. Es wird damit kein Geld verdient, aber es hat grossen Nutzen.

Vielleicht wäre auch der Bereich des Warenaustausches ein solches Gebiet, in Kombination mit einem Hauslieferdienst. Aber das sind einfach mal Ideen. Für mich ist es wichtig, dass man die Breite der Anwendungen sucht und dass man den Nutzen für die Bevölkerung zeigen kann. Vielleicht werden dereinst IT-Kurse für ältere Menschen angeboten.

Es gibt bereits andere Städte, die sich als «smart Cities» verkaufen.

Genau an dieser Arbeit sind wir jetzt, wir müssen nämlich nicht das Rad neu erfinden. In Paris gibt es einen Veloverleih mit einer interaktiven Karte, wo man auf dem Smartphone das nächste freie Velo sieht. Solche Systeme kennen wir ja auch schon vom Autoverleih Catch a Car. Vielleicht kann man solche Systeme übernehmen.

Wohl kein Zufall, dass die IWB mitmachen ...

Dafür bin ich dankbar. Wenn man sieht, wie sich die IWB von einem Monopolbetrieb zu einer Firma im Markt wandelt, dann hat das viel zu tun mit der Änderung eines Geschäftsmodells. Die IWB muss sich auch neuen Gegebenheiten anpassen und schauen, wie sie technologische und digitale Entwicklungen für sich nutzen kann. Uns ist auch der gute Kontakt zum Kanton wichtig, weil auch der Kanton ein Interesse an der von uns gewollten Bürgernähe hat. Ausserdem gibt es konkrete Projekte wie das e-Voting, das heisst, die Möglichkeit, elektronisch abzustimmen.

Sie waren früher Gewerbeverbandsdirektor – «heimelet» Sie das nicht ein bisschen an, wieder mit dem Verband zusammenzuarbeiten?

Ja, es war amüsant, wieder einmal in die Geschäftsräume des Verbands zurückzukommen. Mich fasziniert, wie die Klein- und Mittelbetriebe, die ja wirklich zum Teil ums Überleben kämpfen, offen sind und sich engagieren. Da stelle ich keinerlei Resignation fest.

Ist Gratis-Internetzugang in der Stadt ein Thema?

Da bin ich noch ein bisschen geprägt von der Politik, weil diese Idee in jüngster Zeit verworfen wurde.

Wie soll die Teilnahme der Bevölkerung in diesen Projekten vorangetrieben werden?

Ein ganz wichtiger Teil wird die Kommunikation sein. Einerseits zu den potenziellen Mitgliedern, andererseits zur breiten Öffentlichkeit. Ziel ist es, auf eine möglichst sympathische Art möglichst bald die Vorstellungen des Vereins hinüberzubringen. Der Name Smart Regio Basel ist nicht selbsterklärend. Im Moment suchen wir eine Geschäftsführung. Wir sind in der Aufbauphase und wir hatten bisher lediglich eine Vorstandssitzung.

Mein Anliegen ist es, auch im Bundesbern am Puls zu bleiben. Ich habe in naher Zukunft einige Gespräche, wie das Thema Digitalisierung vorangetrieben werden könnte, beispielsweise im Bereich der Hochschulen. Ich denke, dass es bei der nächsten Botschaft zur Bildung , Forschung und Innovation auch einen namhaften Betrag für die Digitalisierung der Hochschulen braucht.

Haben Sie weitere Ämter übernommen?

Ich habe noch etwa fünf bis zehn weitere Anfragen auf dem Tisch liegen, wobei ich immer gesagt habe, dass ich erst nach reiflicher Überlegung zu- oder absage. Es sind ehrenamtliche Tätigkeiten. Auf der kommerziellen Ebene beabsichtige ich im Beratungsbusiness tätig zu werden. Dazu werde ich eine GmbH gründen.

Heute Montag um 17.30 Uhr informiert der Verein Smart Regio Basel über mögliche Projekte. 17.30 Uhr, Auditorium IWB an der Kohlenberggasse 7, 4052 Basel. Mit Apéro. Anmeldung unter medien@iwb.ch