Ihr Flugzeug landete am Donnerstagnachmittag. Am Abend feierte Elena Filipovic mit ihrem Vorgänger Adam Szymczyk dessen offiziellen Abschied von der Kunsthalle. Und am Freitagmorgen stand sie selbst als neue Chefin in den Räumen am Steinenberg. Verschnaufpause gab es keine für die 41-jährige Amerikanerin, die erst vor einem Monat ihre letzte grosse Ausstellung am bisherigen Arbeitsort in Brüssel eröffnet hatte.

Am Nachmittag ihres ersten Arbeitstages – sie bezeichnet sich selbst als «Workaholic» und hat früher angefangen als vereinbart – legt sich Filipovic im Garten der Camparibar gerade eine rote Decke um die Schultern, als ein Mitarbeiter des Restaurants Kunsthalle sie herzlich begrüsst. Als sei sie seit Jahren Stammgast. «Es ist uns eine Freude, Sie hier zu sehen», sagt er. Filipovic lächelt und sagt vorsichtig: «Ich glaube, ich bin hier willkommen.»

Tatsächlich waren die ersten Reaktionen auf ihre Ernennung als Nachfolgerin von Adam Szymczyk überaus positiv. Als professionell und freundlich wurde Filipovic beschrieben. «Voller Ideen» sei sie, hiess es, nachdem die Findungskommission der Kunsthalle sie im April vorgestellt hatte. Welche Ideen das waren, blieb damals unklar. Auch jetzt gibt Filipovic ihr Jahresprogramm nicht preis. Ende November will sie informieren.

Über ihr erstes Projekt in Basel verrät sie aber schon einiges: Für Januar hat sie die Performancekünstlerin Zhana Ivanova eingeladen. Eine junge Bulgarin, die bisher noch keine institutionelle Einzelausstellung bestritten hat, deren Arbeit Filipovic aber seit Jahren begleitet.

Für Ivanovas Präsentation wählt Filipovic eine ungewöhnliche Form: Sie schlug der erst 37-Jährigen vor, eine Retrospektive zu gestalten. Ein Ausstellungsformat, das normalerweise älteren, renommierten Künstlern vorbehalten ist. Filipovic kehrt das Prinzip der Retrospektive um. Sie lässt Ivanova die Meilensteine ihrer Arbeit mit Blick in die Zukunft konzipieren und über Jahre in einzelnen Kapiteln in der Kunsthalle Basel zeigen.

Das Projekt sage viel aus über die Art, wie sie in der Kunsthalle arbeiten werde, sagt Filipovic. Sie möchte als Kuratorin mit den Erwartungen spielen, die Betrachter an eine Ausstellung und an Kunst stellen. Bekannte Formate und Strukturen hinterfragen, neue Zugänge eröffnen. Um Raum für Diskussionen zu schaffen, wird das Vermittlungsprogramm ausgebaut. Zugleich ist ein neues Logo für die Kunsthalle beim Basler Studio Shafei in Arbeit.

Noch mag Filipovic für die meisten Basler eine Fremde sein, ihr ist die Stadt bereits bekannt. In Los Angeles aufgewachsen, lebt und arbeitet sie seit 18 Jahren in Europa. Basel sei nach Paris und London eine der Städte, die sie am häufigsten besucht habe, sagt sie.

Der Grund für ihre Besuche waren Ausstellungen in der Kunsthalle, im Museum für Gegenwartskunst, dem Tinguely-Museum oder dem Schaulager. Filipovic schwärmt von der Stadt. Nach Kunst will sie aber wie ihr Vorgänger international Ausschau halten. Ich will ergänzend zur aktiven, lokalen Kunstszene junge internationale Positionen nach Basel holen», sagt sie. Was die lokale Szene hoffentlich bereichern werde: «Mit Inspiration, Kontakten, Austausch.»

Zunächst sucht Filipovic den Austausch im eigenen Haus. Mit jedem Mitarbeiter führte sie individuelle Gespräche. Vorerst auf Englisch und Französisch. Und bald auf Deutsch, sagt sie.

Filipovic hatte im April angekündigt, dass sie nach ihrer Ankunft Deutsch lernen wolle. Diese Absicht bekräftigt sie, sagt aber auch: «Sich wegen sprachlicher Unsicherheit unpräzis auszudrücken, zollt den Inhalten nicht den angemessenen Respekt.» Inhalte präzis zu vermitteln, sehe sie als ihre Hauptaufgabe. Welche Inhalte das sein werden, zeigt sich ab Januar, wenn die erste von Filipovic kuratierte Ausstellung eröffnet.