«Auf Rheingasse Richtung Nordwest 205 Meter weiter fahren. Nach links abbiegen in ‹Mittlere Rheinbrücke›. 252 Meter weiter fahren.» Das sind die Anweisungen, die Nutzer des Schweizer Routenplaners search.ch erhalten, wenn sie vom Restaurant Fischerstube zum Spalentor fahren wollen.

Ähnliche Anweisung liefern auch die Karten von Nokia, Apple und die Online-Version des Navigationsgeräteherstellers «TomTom». Bei Google und dem von Benutzern im Wikipedia-Prinzip hergestellten Dienst «Openstreetmap.org» hingegen werden die Automobilisten bereits jetzt korrekt um die seit Anfang Jahr gesperrte Kernzone in der Basler Innenstadt geleitet.

Stadt gibt Firmen die Schuld

Dass es bei geänderten Verkehrsordnungen lange dauert, bis die internationalen Kartenanbieter die Informationen anpassen, ist den Basler Behörden bekannt. «Die Anbieter erheben ihre Daten selbst. Wir haben auch schon Anläufe unternommen, den Firmen die Änderungen mitzuteilen, jedoch ohne Erfolg», sagt Adrian Moser, Leiter der Abteilung Geoinformation des Basler Grundbuch- und Vermessungsamts. Das nötige Kartenmaterial sei vorhanden und würde den Anbietern kostenlos zur Verfügung gestellt.

Für den Navigationsgeräte-Hersteller «TomTom» ist die Aussage der Basler Behörden eine Ausrede. «Jede Gemeinde kann uns seit Jahren per E-Mail Änderungen mitteilen und viele tun das auch zuverlässig», sagt Sprecher Tom Henkel. Die Informationen würden mit verschiedenen Massnahmen überprüft und ins nächste Karten-Update integriert. So sei die Sperrung der Basler Innenstadt seit der März-Aktualisierung des Kartenmaterials berücksichtigt. «Ob die Nutzer die kostenlosen Updates auch installieren, darauf haben wir hingegen keinen Einfluss», sagt Henkel.

Autos im Minutentakt

Dass auch mehr als ein halbes Jahr nach Einführung der verkehrsfreien Innenstadt viele Autofahrer die gesperrten Strassen befahren, bestätigt sowohl ein Augenschein vor Ort als auch Cécile Grieder, Wirtin der Bar Grenzwert in der gesperrten Rheingasse. «Alle zwei Minuten fährt hier ein Auto durch. Als Beobachter würde man nie darauf kommen, dass hier eigentlich ein Fahrverbot gilt», so die Wirtin.

Polizei intensiviert Kontrollen

Bei der Basler Polizei sind ebenfalls zahlreiche Meldungen eingegangen, dass «sich noch nicht alle Verkehrsteilnehmer an die neuen Signalisationen halten würden», wie Sprecher Martin Schütz sagt.

Aus diesem Grund würden in der ersten Augusthälfte die Verkehrskontrollen in der motorfahrzeugfreien Kernzone temporär verstärkt. Im Gegensatz zu den punktuellen Kontrollen zu Jahresbeginn, bei denen die Autofahrer ermahnt worden seien, würden Übertretungen mittlerweile mit Bussen und Verzeigungen geahndet. Ziel der Aktion sei, alle Verkehrsteilnehmer daran zu erinnern, dass die neuen Regeln zu befolgen sind.

Ob auch falsch programmierte Navigationsgeräte Autofahrer in die eigentlich gesperrte Innenstadt führen, kann Schütz nicht sagen. Dazu müssten sämtliche Verkehrspolizisten befragt werden. Ebenso seien keine Statistiken vorhanden, die zeigen würden, ob es sich bei den fehlbaren Fahrern eher um ortskundige oder auswertige Personen handelt.