Die Lage ist angespannt. Auch in Basel. Der ebenfalls im Ausland intensiv geführte Abstimmungskampf zur türkischen Verfassungsreform führe in einigen europäischen Ländern zu Irritationen.

Und: Seit dem Putschversuch vom letzten Sommer sei eine «erhöhte Spannung in den türkischen Gemeinschaften zu spüren». Das betreffe auch die Türken in Basel, schreibt die Kantonsregierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation des grünliberalen Grossrats David Wüest-Rudin.

Grund zu ernsthafter Sorge scheint es allerdings kaum zu geben: «Aktuell wird zwar hohe Emotionalität, allerdings noch keine Lage festgestellt, in der bestimmte Bevölkerungsteile bedroht wären», so die Regierung weiter.

Es gebe immer wieder unbestätigte Meldungen darüber, dass Personen oder Organisationen sich gegenseitig bespitzeln und zur Denunziation Andersdenkender anstiften. Der Basler Kantonspolizei seien bisher aber keine konkreten Fälle bekannt.

Hinweisen über Bespitzelungen werde in einem «kritisch-offenen Dialog» mit verschiedenen Akteuren aus der türkischen Gemeinschaft nachgegangen. Das betreffe auch den einzigen im Raum Basel wirkenden Imam, der durch die türkisch-islamische Stiftung Diyanet finanziell unterstützt wird. Aufgrund von Gerüchten liessen sich aber weder Gefährdungsanalysen durchführen noch Massnahmen veranlassen.

Sollte die Polizei erfahren, dass einzelne Gruppen oder Institutionen besonderen Schutz bedürfen, treffe sie entsprechende Massnahmen. Im konkreten Fall seien bisher aber keine speziellen Vorkehrungen nötig geworden.

Und ebenfalls wichtig: Aus Sicht der Basler Kantonsregierung hege die grosse Mehrheit der muslimischen Bevölkerung im Land weder Vorbehalte gegenüber dem Schweizer Rechtsstaat noch sympathisiere sie mit demokratiefeindlichen Bewegungen.

Deutsche Polizei ohne heisse Spur

Ein rauerer Wind scheint gleich auf der anderen Seite der Landesgrenze zu wehen. So haben Unbekannte vor einigen Wochen Tür und Wände des Vereinslokals der alevitischen Gemeinde in Müllheim grossflächig mit Parolen beschmiert. Dahinter werde eine Drohung durch politische Verfolger vermutet, wie deutsche Medien berichten.

In der Türkei waren in der Vergangenheit wiederholt Häuser von Aleviten ähnlich beschmiert und später angezündet worden. Unterzeichnet wurde die Nachricht hier mit «Osmanli Ocaklari». Dabei handelt es sich um eine Gruppierung, die der türkischen Regierungspartei AKP nahe stehen soll. Der Verein hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Das Polizeipräsidium Freiburg nimmt den Vorfall ernst. «Wir gehen von keiner der üblichen Farbschmierereien aus, sondern von einer gezielten und politisch, religiös motivierten Tat», sagt Sprecher Dietmar Ernst. Bei den Aleviten handelt es sich um eine Glaubensrichtung, die vor allem aus der Türkei stammt.

Als religiöse Minderheit sehen sie sich dort benachteiligt und zuletzt auch unter der Regierung von Staatspräsident Erdogan verfolgt. Die bisherigen Ermittlungen in Müllheim hätten keinen konkreten Tatverdacht ergeben.