Katastrophe
Abou-Aly, Conz und Geiger – der Schweizer Bezug zu Al Masry

Im ägyptischen Port-Said-Stadion, dem Schauplatz der Katastrophe, haben auch schon die beiden Schweizer Trainer Alain Geiger und Jean-Marie-Conz gearbeitet.

Markus Brütsch
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Alain Geiger (Archiv)

Alain Geiger (Archiv)

Keystone

Es ist auf den Tag genau ein Jahr her, als Alain Geiger der az schilderte, was sich in Port Said zutrug. Die Unruhen und Demonstrationen gegen Präsident Hosni Mubarak hatten auch die Hafenstadt erfasst und zwangen den Schweizer Trainer des ägyptischen Erstligisten Al Masry zur Flucht in die Schweiz. Dabei hatte er geglaubt, hier sei alles viel sicherer als in Algerien, wo er zuvor gearbeitet hatte. Und Geiger hatte geschwärmt von der unglaublichen Fussballbegeisterung der Ägypter.

Angelockt worden war er von Präsident Kamel Abou-Aly. Den ägyptisch-schweizerischen Doppelbürger hatte er vor Jahren im Umfeld von Xamax Neuenburg kennen gelernt. Abou-Aly war ein guter Bekannter des früheren Xamax-Präsidenten Gilbert Facchinetti. «Ich wollte mit Kamel in Port Said etwas Grosses aufbauen», sagte Geiger. Den Grossklubs Al Ahly und Zamalek aus Kairo sollte endlich die Stirne geboten werden.

Doch die Fortsetzung des Spielbetriebs in Ägypten war nicht mehr möglich. Geiger kehrte nicht mehr nach Port Said zurück und arbeitet heute wieder als Trainer in Algerien.

Abou-Aly ist geblieben

Geblieben ist Kamel Abou-Aly. Schon vor 15 Jahren war er einmal für kurze Zeit Präsident von Al Masry gewesen. Auch damals hatte er sein Glück mit einem Schweizer Trainer versucht. «Ja, ich wurde von Abou-Aly engagiert», sagt Jean-Marie Conz. «Für mich war es ein Kulturschock, als ich aus der Schweiz nach Port Said kam», sagt der Mann, der einst als Captain den bisher letzten Titel von YB gewonnen hat. «Es war schwierig, da zu arbeiten, alles war sehr chaotisch.» Weil Conz bereits im zweiten oder dritten Spiel zu Hause gegen Al Ahly 0:1 verlor, wurde es nicht einfacher. «Man kann sich nicht vorstellen, wie fanatisch die Fans hier sind», sagt Conz. «Schon im Training waren sie aggressiv.»

2010 war Conz im Auftrag der Fifa ein weiteres Mal in Ägypten. «Ich analysierte die Strukturen des ägyptischen Verbandes und muss sagen, dass ich danach einen sehr guten Eindruck hatte», sagt Conz.

Conz: «Ich bin geschockt»

Mit Schrecken hat er nun am Mittwoch die Bilder der Katastrophe von Port Said gesehen. «Ich bin geschockt», sagt Conz. «Ich bin überzeugt, dass die Ausschreitungen – bei allem Fanatismus in diesem Land – nicht direkt mit dem Sport zu tun haben.» Er denkt wie viele andere, dass politische Motive zu den Ereignissen geführt haben.

Wie es weitergeht mit dem ägyptischen Fussball, ist offen. Dabei ist er der Leader in Afrika, denn kein anderes Land hat den Afrika-Cup häufiger gewonnen, als die Pharaonen. Entsprechend war es eine Riesensensation, dass sich die Ägypter nicht für den derzeit laufenden Wettbewerb qualifiziert hatten.

Ob Kamel Abou-Aly – mit Hossam Hassan hatte er eben erst einen Trainer verpflichtet, der 1991/92 für Xamax gespielt hatte! – nun auch ins Visier der Machthaber gerät und für die Katastrophe mitverantwortlich gemacht wird, ist bisher nicht vermeldet worden. Es wäre eine bittere Zensur im Leben eines Mannes, der 1974 völlig mittellos in die Schweiz geflüchtet war, sich dann im Gastgewerbe hochgearbeitet hatte, beim Hockeyclub Star La Chaux-de-Fonds als Investor aber eine wenig ruhmreiche Rolle spielte. Später wurde er im Tourismusgeschäft am Roten Meer eine bedeutende Figur wie auch als Filmproduzent – und noch reicher.