Norwegen
Amokläufer Breivik wollte so sein wie Fussball-Gott Beckham

Der norwegische Attentäter Anders Breivik liess sich in seiner Jugend die Nase korrigieren. Breivik wollte so sein wie der englische Fussballstar David Beckham, nämlich «metrosexuell». Weil feminine Züge im Norden bei Männern besser ankommen?

André Anwar, Stockholm
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Ähnlichkeiten? Killer Breivik und sein Vorbild Beckham.

Ähnlichkeiten? Killer Breivik und sein Vorbild Beckham.

Keystone

Im Prozess gegen Anders Breivik (33) haben nun erstmals drei seiner engeren Freunde und ein Bekannter ausgesagt. Demnach könnte versteckte Homosexualität der Auslöser für den Hass des Massenmörders auf Araber gewesen sein.

Nase sollte arischer aussehen

Die Freunde beschrieben Breivik als einen klugen und sehr freundlichen Menschen. Zumindest auf die Schulzeit bezogen. Allerdings sei er auch sehr eitel und selbstbezogen gewesen. Er habe häufig Gesichtspuder benutzt und sich zudem einmal in den Sommerferien die Nase chirurgisch verschönern lassen. Er habe keine Arabernase haben wollen, sondern eine, die arischer aussieht, soll er seinen Freunden gesagt haben. Breivik sei schon immer gegen Moslems gewesen, aber er habe nicht politisch extrem gewirkt – zumindest nicht extremer als es die stimmenstarken Rechtspopulisten Norwegens sind.

Freunde sprechen über Sexualität

Breivik habe sich selbst als «metrosexuell» beschrieben. Feminine Züge bei Männern kommen im Norden gut an. Insofern ist Breiviks Selbstbeschreibung wohl auch in Rechtsaussenkreisen Norwegens akzeptiert. Wohl deutlich mehr als in moslemischen, von denen Breivik zuvor im Prozess angibt, Dutzende Male ohne Grund angegriffen worden zu sein. Kommentatoren sagten in der Mittagspause, dass vielleicht ein Teil seines Hasses auf Moslems an deren ablehnender Haltung gegenüber weiblich wirkenden Männern liege. «David Beckham war sein Vorbild zu jener Zeit, wenn er das Wort metrosexuell benutzte», so einer von Breiviks Freunden. Auf die Frage von Staatsanwalt Holden, warum Breivik sich nach Meinung des besten Freundes immer weiter zurückgezogen habe, sagte dieser: «Ich vermutete, dass er in eine tiefe Depression gelangt war oder dass er homosexuell geworden ist, sich aber nicht outen wollte und dass es ihm darum schlecht ging.»

Die Staatsanwaltschaft begründete die Einberufung der Freunde des Massenmörders damit, dass sich die Sachverständigen dadurch ein besseres Bild über die Persönlichkeit des Angeklagten machen könnten.

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