Zugunglück in Bayern
Blackbox soll Ursache für Unglück klären

Einen Tag nach dem schweren Zugunglück in Oberbayern mit zehn Toten ist die Unglücksursache unklar geblieben. Die Bergung wird noch mindestens zwei Tage dauern.

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Beim Zugscrash kamen mindestens neun Menschen ums Leben.
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Die Züge prallten allem Anschein nach beinahe ungebremst aufeinander.
Die Unglücksstelle ist für die Rettungskräfte schwer zugänglich.
Knapp 100 Menschen wurden verletzt.
Davon sind rund 40 Schwer- und 15 Schwerstverletzte.
Die zwei Lokführer befinden sich auch unter den Todesopfern.
Zugunglück in Bayern
Weshalb die Züge gleichzeitig die eingleisige Strecke befuhren, ist unklar.
Das Zugssicherungssystem wurde erst vor einer Woche kontrolliert.
Die beiden Kompositionen haben sich beim Aufprall ineinander verkeilt.

Beim Zugscrash kamen mindestens neun Menschen ums Leben.

Keystone

Die Ermittler wollten am Mittwoch zur Ursache für das Zugunglück keine Aussagen machen. Es gab jedoch Hinweise, dass die Ursache für den Unfall bei Bad Aibling womöglich menschliches Versagen sein könnte.

Zwei Regionalzüge mit etwa 150 Fahrgästen waren am Dienstagmorgen bei Bad Aibling in Oberbayern auf eingleisiger Strecke frontal zusammengeprallt und hatten sich ineinander verkeilt. Bei dem Unglück kamen zehn Menschen ums Leben. 17 Fahrgäste wurden schwer und 63 leicht verletzt.

Nachdem zunächst noch ein elftes Todesopfer in den Zugtrümmern vermutet worden war, konnten die Einsatzkräfte am Dienstagmorgen dazu Entwarnung geben. Überprüfungen hätten ergeben, dass niemand mehr vermisst werde, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern mit. Der Gesundheitszustand einiger Schwerverletzter war demnach aber "nach wie vor ernst".

Unter den zehn Toten waren den Angaben zufolge neun Männer im Alter zwischen 24 und 59 Jahren. Alle stammen demnach aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein. Bei einem Opfer stehe die Identität noch nicht sicher fest. Auch bei den Verletzten handele es sich fast ausschliesslich um Erwachsene, die überwiegend aus der Region kämen.

"Kein dringender Tatverdacht"

Zur möglichen Ursache für das Zugunglück wollten sich die Ermittler nicht äussern. Aussagen zur Unglücksursache "können und werden'" seitens der Behörden derzeit nicht getroffen, erklärte das Polizeipräsidium. Die Ermittlungen würden "kompliziert, aufwändig und zeitraubend". Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte ebenfalls, er werde nicht die "geringste Spekulation" anstellen.

Auch die Medienstellen von Polizei und Staatsanwaltschaft wollten keine Stellung nehmen. Ein Polizeisprecher vor Ort sagte jedoch, ein Fehler oder Vergehen - etwa des diensthabenden Fahrdienstleiters - könne zwar nicht ausgeschlossen werden. Doch sei der Fahrdienstleiter bereits unmittelbar nach dem Zusammenstoss befragt worden. Daraus ergebe sich noch "kein dringender Tatverdacht", sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier.

Die Nachrichtenagentur dpa hatte aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass die Tragödie durch menschliches Versagen ausgelöst worden sein soll. Am Mittwoch ermittelten die Beamten auch im Stellwerk von Bad Aibling. Sie werteten zudem die zwei gefundenen Blackboxes aus; die Bergung des dritten Datenschreibers stand noch aus.

Die Blackboxes sammeln ähnlich wie in Flugzeugen Informationen über das Fahrzeug. An den Untersuchungen waren auch Experten der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes beteiligt.

Am Mittwoch traf schweres Gerät, darunter zwei Spezialkräne, für die Bergung der Zugwracks ein. Die Aufräumarbeiten werden durch die gleichen Umstände erschwert wie die Rettung der Opfer: Die Unglücksstelle liegt in einem Waldstück an einer Hangkante, die steil zu einem Kanal abbricht, und ist nur schwer zu erreichen. Die Bergung der Trümmer wird daher wohl mehrere Tage dauern.

Zusammengeprallte Züge von Stadler Rail hergestellt

Die beiden am Dienstagmorgen in Bayern zusammengestossenen Züge waren vom Schweizer Zughersteller Stadler Rail produziert worden.

Über die Unfallursache könne Stadler als Hersteller allerdings keine Auskunft geben, teilte die Firma am Dienstag mit. "Wir warten auf die ersten Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden vor Ort."

Stadler habe mit Bestürzung vom Zugunglück Kenntnis genommen, hiess es in der Mitteilung weiter. "Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gehört den Verunglückten und ihren Angehörigen."

Die beiden Regionalzüge prallten zwischen Bad Aibling und Kolbermoor zusammen und verkeilten sich. Mindestens acht Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Hunderte Rettungskräfte waren an der schwer zugänglichen Unglücksstelle im Einsatz.