Russland-Affäre
Brisantes Geheimprotokoll aufgetaucht: "Ich denke, Putin bezahlt Trump"

Die Russland-Schlinge um Donald Trump zieht sich zu: Die "Washington Post" hat Auszüge aus einem Gespräch zwischen führenden Republikanern veröffentlicht, die Donald Trump und seine Partei in einem ganz schlechten Licht erscheinen lassen.

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Donald Trump umarmt Kevin McCarthy, Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus. McCarthy hat letztes Jahr den Verdacht geäussert, Trump erhalte Geld von Russlands Präsident Putin.

Donald Trump umarmt Kevin McCarthy, Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus. McCarthy hat letztes Jahr den Verdacht geäussert, Trump erhalte Geld von Russlands Präsident Putin.

Evan Vucci

"Was in der Familie gesagt wird, bleibt in der Familie": Mit diesen Worten endet ein Gesprächsprotokoll, das die "Washington Post" am Mittwoch publiziert hat. Gesagt hat die Worte Paul Ryan, Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus. Das Gespräch soll im Juni 2016 – mitten im Wahlkampf – stattgefunden haben.

Ryan hat allen Grund dazu, das Gesagte vertraulich halten zu wollen. In dem Gespräch zwischen mehreren führenden Parteimitgliedern äussert Kevin McCarthy, republikanischer Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, einen bösen Verdacht: "Ich denke, Putin bezahlt Rohrabacher und Trump. Ich schwöre es bei Gott." (Hier geht es zum Protokoll.)

Mit Rohrabacher ist Dana Rohrabacher gemeint. Der Republikaner sitzt im Repräsentantenhaus und ist als eifriger Verfechter Putins und Russlands bekannt.

Ryan gab im Gespräch die Anweisung, dass diese Äusserungen geheim bleiben sollen. "Das ist off the record...keine Leaks, ok?" Gut ein Jahr später macht sie die "Post" nun publik.

Neue Dimension

Sollte das Gespräch tatsächlich so stattgefunden haben, bekäme die Russland-Affäre um Trump eine völlig neue Dimension. Das Dokument würde beweisen, dass die Führungsriege der Republikaner von seinen Beziehungen zu Russland gewusst hätte. Das würde die Partei weiter in Bedrängnis bringen.

Trump wird eine Verstrickung seines Wahlkampfteams mit Russland vorgeworfen. Sein ehemaliger Sicherheitsberater Michael Flynn musste etwa zurücktreten, weil er Kontakte nach Russland unterhalten hatte.

Die Neuigkeiten kommen für Trump zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Am späten Mittwochabend wurde bekannt, dass das Justizministerium entgegen bisherigen Ankündigungen einen Sonderermittler einsetzt, der abklärt, was an den Vorwürfen gegen Trump dran ist. Die Berufung eines Sonderermittlers ist selten. Der Sonderermittler ist ein eigentlicher "Super-Ermittler": Er geniesst grosse Freiheiten, weil er im Weissen Haus niemandem unterstellt ist.

Unter Druck: Präsident Trump (links), Republikaner-Sprecher Ryan (3. von links) und Mehrheitsführer McCarthy (rechts).

Unter Druck: Präsident Trump (links), Republikaner-Sprecher Ryan (3. von links) und Mehrheitsführer McCarthy (rechts).

Evan Vucci

Das sagen die Republikaner zur Veröffentlichung

Gemäss "Washington Post" stritten Sprecher von McCarthy und Ryan erst ab, dass das Gespräch stattgefunden habe. Nachdem die Journalisten klar stellten, sie würden ein Protokoll veröffentlichen, tönte plötzlich alles anders: "Dieser ein Jahr alte Austausch war klar ein Versuch von Humor. Niemand glaubt, der Mehrheitsführer würde Trump oder irgendeines unserer Mitglieder ernsthaft bezichtigen, von den Russen bezahlt zu werden", sagte McCarthys Sprecher. Auch ein Sprecher Rohrabachers stritt ab, der Politiker habe Geld aus Russland empfangen.

Ein Republikaner, der beim Gespräch dabei gewesen war, bestätigt das Gesagte jedoch: Evan McMullin, früherer CIA-Agent und bis August 2016 Chefstratege der House Republican Conference. "Es stimmt, dass Mehrheitsführer McCarthy gesagt hat, er denke, Kandidat Trump stehe auf der Lohnliste des Kremls. Sprecher Ryan war besorgt, das könnte an die Öffentlichkeit gelangen", sagte McMullin gemäss der "Post".

McMullin kandidierte letztes Jahr als unabhängiger Kandidat für das Amt des US-Präsidenten. Er gibt als Trump-Kritiker. (mwa/sda)