EU-Geschenk
Bürokraten-Irrsinn: Das EU-Parlament will grüner werden – und schenkt jedem Abgeordneten zwei Topfpflanzen

Europäische Steuerzahler haben eine sonderbare Aktion des EU-Parlaments zu berappen. Zusätzlich zu den sowieso schon beträchtlichen Spesenvergütungen.

Remo Hess aus Brüssel
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Soll auch inwändig grüner werden: Das EU-Parlament in Strassburg.

Soll auch inwändig grüner werden: Das EU-Parlament in Strassburg.

Wikipedia

Gut ein Jahr ist es her, seit das EU-Parlament den Klimanotstand ausgerufen hat. Höchste Zeit also, um selbst etwas grüner zu werden. Und zwar im wortwörtlichen Sinne: In einem Schreiben hat die Parlamentsverwaltung die 750 EU-Abgeordneten informiert, dass ab sofort jeder Parlamentarier und jede Parlamentarierin Anspruch auf zwei Topfpflanzen in «angemessener Grösse» habe. Denn Pflanzen hätten einen «positiven Einfluss auf das Arbeitsumfeld», indem sie es «attraktiver machen, die Luft-Qualität und das Wohlbefinden im Allgemeinen steigern».

Die Pflanzen gehen komplett auf Rechnung des Parlaments. Um mehr Grün ins EU-Parlament zu bringen, brauche es nämliche einen «generalisiertes und strukturiertes Vorgehen». Sogar «Leitlinien» zur Bepflanzung der EU-Volksvertretung sollen nun festgelegt werden.

Parlamentsdienst hat keinen grünen Daumen

Andreas Schwab, EU-Abgeordneter für die CDU aus Südbaden.

Andreas Schwab, EU-Abgeordneter für die CDU aus Südbaden.

Alexis Haulot

Einer, der sein Büro bereits in Eigenregie bepflanzt hat, ist der EU-Parlamentarier Andreas Schwab, der die für die Schweiz zuständige Delegation leitet. «Ich habe mir vergangenes Jahr eine Ikea-Pflanze für 9,99 Euro gekauft», sagt Schwab. Leider hätten die Parlamentsdienste während den Sommerferien zu viel Wasser gegeben, sodass einer der zwei Triebe abgestorben sei. Trotzdem werde er nun kaum auf das Angebot des Parlaments zurückkommen. «Ich habe bereits zu wenig Platz in meinem Büro», so Schwab.

Der CDU-Politiker begrüsst es zwar, dass die Parlamentsverwaltung die Arbeitssituation in den tristen Büros moderner Glaskästen etwas verbessern wolle und weist auch darauf hin, dass EU-Parlamentarier mit Strassburg, Brüssel und in ihren Wahlkreisen insgesamt drei Büros unterhalten müssten. Gleichzeitig findet er aber, zwei Pflanzen könnte auch jeder Parlamentarier noch selbst besorgen, sofern er denn welche haben möchte.

Der fürstliche Lohn müsste eigentlich reichen

Klar ist: Leisten sollten es sich die EU-Parlamentarier eigentlich können. Neben ihrem Bruttolohn von gut 8000 Euro monatlich, einem Tagegeld von 323 Euro erhalten sie nämlich eine Büropauschale von monatlich 4563 Euro, für die sie keinerlei Ausgabenrechtfertigung vorlegen müssen. Darüber hinaus haben EU-Parlamentarier monatlich bis zu 25'000 Euro zur Verfügung, um Assistenten und Praktikanten zu bezahlen oder externe Gutachten in Auftrag zu geben.

Auf das Ausgeben von EU-Geldern spezialisiert hat sich Nico Semsrott, Satiriker und EU-Parlamentarier der Partei «Die Partei». Auf seiner Website stellt er umfassende Transparenz her, für was er seit seiner Wahl ins EU-Parlament 2019 so alles Geld ausgibt. Theoretisch wären ihm laut seinen Berechnungen Ausgaben von total 570'580 Euro möglich. Allerdings ist Semsrott soweit hintendrein mit Geldausgeben, dass er diesen Maximalbetrag bis Ende Jahr nicht annähernd erreichen dürfte. Dies, obwohl er 5000 Kondome mit seinem Konterfei, 30 Nico Semsrott-Pappaufsteller in Lebensgrösse und 1800 Tamponboxen herstellen liess.