Russland
Chodorkowski will definitiv in die Schweiz – er stellt Antrag auf Visum

Der russische Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski hat die Schweiz um ein Visum ersucht. Der ehemalige Chef des Ölkonzerns Yukos deponierte am Dienstag bei der Schweizer Botschaft in Berlin einen Antrag auf ein dreimonatiges Schengen-Visum.

Drucken
Teilen
Seit seiner Freilassung hält sich Chodorkowski in Berlin auf.

Seit seiner Freilassung hält sich Chodorkowski in Berlin auf.

Keystone

Die Botschaft habe den Antrag entgegengenommen, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstag auf Anfrage mit. Die Botschaft stehe zur Bearbeitung in Kontakt mit dem Bundesamt für Migration (BFM).

Da das Verfahren vertraulich sei, würden bis zum Entscheid keine weiteren Informationen veröffentlicht, hiess es weiter.

Chodorkowski war vergangene Woche nach über zehnjähriger Haft begnadigt und freigelassen worden. Zur Zeit weilt er in Berlin, wo er mit seiner Familie zusammentreffen will. Deutschland stellte ihm ein Visum für ein Jahr aus.

Chodorkowski lobt Freilassung von Pussy Riot

Der von Kremlchef Wladimir Putin begnadigte Ex-Öl-Milliardär Michail Chodorkowski hat die vorzeitige Haftentlassung der zwei Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot gelobt.

"Die Freilassung von politischen Gefangenen macht die Machthaber wenigstens ein bisschen humaner", teilte der 50-Jährige auf seiner Internetseite am Dienstag mit. "Ich weiss, dass die vergangenen Monate für Sie eine echte Hölle waren", hiess er in der Mitteilung des früheren Putin-Kritikers.

Im Gegensatz zu den Künstlerinnen hatte Chodorkowski sich von Putin begnadigen lassen. Die nach einer Protestaktion gegen den Kremlchef zu zwei Jahren Straflager verurteilten Frauen Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina hatten ein Gnadengesuch abgelehnt. Die wegen Rowdytums verurteilten Aktivistinnen kamen nun im Zuge einer Massenamnestie frei - vor ihrem Haftende im März.

"Und bin froh zu erfahren, dass die Misshandlung, die eines europäischen Landes des 21. Jahrhunderts unwürdig ist, nun beendet ist", hiess es in Chodorkowskis Mitteilung. "Das Wichtigste ist jetzt wahrscheinlich, in sich selbst die Kraft zu finden, um im Herzen nicht Hass und Bitterkeit zu bewahren nach diesen schweren Prüfungen der Gefängnishaft."