Deutschland
Impfen nach dem Ikea-Prinzip: So will Berlin rund 450'000 Menschen mit dem Covid-Vakzin versorgen

Zuerst die Alten und die Risikopatienten, dann das Gesundheitspersonal und schliesslich der Rest: Im Akkord wird ab Januar in der deutschen Hauptstadt geimpft. Der Chef der sechs Zentren erklärt, wie genau.

Christoph Reichmuth aus Berlin
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Albrecht Broemme leitet die sechs Berliner Impfzentren. Die Menschen sollen dort im Akkord behandelt werden.

Albrecht Broemme leitet die sechs Berliner Impfzentren. Die Menschen sollen dort im Akkord behandelt werden.

Christian Marquardt / Pool / EPA

Sie sind in einem Eisstadion, dem Messegelände, einem stillgelegten Flughafen oder in einer Schwimmarena in den verschiedenen Stadtteilen der 3,7-Millionen-Metropole Berlins untergebracht – die sechs Corona-Impfzentren. Ab Mitte Dezember soll hier im Akkord geimpft werden.

900'000 Impfungen werden in dieser ersten Phase alleine für Berlin erhältlich sein – weil beide verfügbaren Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen zwei Mal verabreicht werden müssen, können in den ersten drei Monaten 450000 Berliner gegen das Virus geimpft werden. Vermutlich erhalten die Impfung zuerst älteren und Risikopatienten sowie Angehörigen des Gesundheitspersonals, sofern diese einer Impfung freiwillig zustimmen.

Den Aufbau der sechs Impfzentren koordiniert Albrecht Broemme. Er rechnet pro Impfzentrum und Tag mit 3000 bis 4000 Berlinern, die geimpft werden sollen. «Die beiden Impfungen müssen in genauem Abstand nach drei bis vier Wochen erfolgen, je nach Präparat. Daher müssen wir den Impfstoff an 20'000 Menschen pro Tag verabreichen, um es in drei Monaten zu schaffen», sagt Broemme. Etwa 300 Helfer, darunter Ärzte und Pfleger, braucht die Stadt pro Impfzentrum.

Der Ablauf in den Zentren muss gut koordiniert, die Hallen gut belüftet sein, damit sich die Impfzentren nicht zu Coronahotspots entwickeln. Broemme: «Es wäre der Gau, wenn sich die Menschen bei uns eine Impfung abholen und Corona gleich mit nach Hause nehmen.»

Ein Eingang, eine Route, einen Weg nach draussen

Um dies zu verhindern, schwebt Broemme eine Art «Ikea-Prinzip» vor – es gibt nur einen Eingang, eine klare Route, auf der man sich nicht verlaufen kann – und es gibt nur einen Weg nach draussen. Zuerst die Einlasskontrolle, an der die Temperatur jeder Person gemessen wird. Broemme: «Wer Fieber hat, ist nicht impffähig.»

Zudem wird am Eingang geprüft, ob die jeweilige Person über eine «Impfeinladung» für den konkreten Zeitpunkt in diesem konkreten Impfzentrum verfügt. Begleitpersonen sind nicht erlaubt, für die Hilfe betagter Menschen stünden laut Broemme die Helfer vor Ort bereit. Nach Einlass ins Gebäudeinnere geht es direkt zu den pro Zentrum etwa 75 Impfkabinen.

Spätere Impfungen in normalen Arztpraxen

Broemme geht von einem Betrieb der sechs Impfzentren von drei Monaten aus. Danach würde es reichen, nur noch eines oder zwei Zentren weiter in Betrieb zu lassen. «Die restlichen Berliner können sich danach in den normalen Arztpraxen impfen lassen», sagt Broemme.

Schon zu Beginn des nächsten Jahres sei mit weiteren Impfstoffen zu rechnen, die nicht bei Minus 70 Grad gelagert werden müssten wie das Präparat von Pfizer und Biontech. Bis zu 70 Prozent der Menschen müssten sich impfen lassen, damit die Pandemie überwunden werden kann, so Broemme. «Wir wollen Corona besiegen. Das geht nur mit einem Impfstoff.»