Tourismus
Die Türkei hofft auf ein Comeback – und auf einen Reiserekord

Nach der schweren Krise kommen 2018 wieder Besucher nach Antalya und Co. Mehrere Faktoren sollen zu einem neuen Reiserekord beitragen.

Gerd Höhler, Athen
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In Istanbul freuen sich die Fährbetriebe auf Touristen. SEDAT SUNA/EPA/KEY

In Istanbul freuen sich die Fährbetriebe auf Touristen. SEDAT SUNA/EPA/KEY

KEYSTONE

Seinen deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel begrüsste der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu Anfang November in der Touristenhochburg Antalya. Bei dem Treffen ging es um die schwierigen Streitfragen im ziemlich zerrütteten deutsch-türkischen Verhältnis. Cavusoglu hofft auf eine Verbesserung der Beziehungen – nicht zuletzt, damit nach Gabriel wieder mehr Deutsche nach Antalya kommen, seinen Wahlkreis. «Nächstes Jahr wird es einen Reiseboom geben», glaubt der türkische Aussenminister.

Tatsächlich scheint die türkische Tourismusbranche das Schlimmste hinter sich zu haben. Wegen der Terrorwelle, der Krise im Verhältnis zu Russland, politischer Turbulenzen nach dem Putschversuch vom Juli 2016 und schwerer Zerwürfnisse mit Deutschland war die Zahl der ausländischen Besucher in der Türkei stark eingebrochen – von 36,2 Millionen 2015 auf 25,3 Millionen im Jahr darauf. Kamen vor zwei Jahren 5,6 Millionen Deutsche in die Türkei, waren es im vergangenen Jahr nur noch 3,9 Millionen.

30 Milliarden Dollar Einnahmen

Während die Zahl der deutschen Besucher 2017 weiter zurückgehen wird, zeichnet sich insgesamt eine Wende ab. In den ersten neun Monaten kamen bereits mehr ausländische Touristen in die Türkei als im ganzen Vorjahr, nämlich 26 Millionen. Tourismusminister Numan Kurtulmus erwartet im Jahr 2018 mit 37 Millionen Gästen und Tourismus-Einnahmen von 30 Milliarden Dollar einen neuen Reise-Rekord. Dazu sollen günstige Preise sowie staatliche Subventionen für Charterflüge und Kreuzfahrtschiffe beitragen. Auch deutsche Reiseveranstalter erwarten für 2018 ein Comeback der Türkei und stocken die Flug- und Hotelkapazitäten entsprechend auf. Die Türkei sei wieder «deutlich in der Gunst der Urlauber gestiegen», sagt Marek Andryszak, Deutschland-Chef des Reiseveranstalters TUI.

In Istanbul stiegen die Gästezahlen in den ersten zehn Monaten um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Besucherstatistik am Bosporus zeigt aber auch, dass die Krise zu deutlichen Verschiebungen auf den internationalen Märkten geführt hat. Die meisten Istanbul-Reisenden kamen zwar aus Deutschland, nämlich gut 860 000. Auf Platz zwei liegen aber bereits die Iraner mit 735 000 Gästen, gefolgt von Saudis und Russen.

Mehr Araber, weniger Europäer

Während die Zahl der Gäste aus arabischen Ländern in den ersten zehn Monaten des Jahres um einen Viertel zunahm, kamen Europäer, US-Amerikaner und Israelis weniger häufig an den Bosporus, was auch damit zusammenhängt, dass viele Kreuzfahrtreedereien im vergangenen und diesem Jahr einen Bogen um türkische Häfen machten.

Auch an der türkischen Riviera, wo früher deutsche Besucher dominierten, hat sich die Zusammensetzung der Gästeschar deutlich verändert. Auf dem Flughafen Antalya landeten in den ersten zehn Monaten dieses Jahres 3,6 Millionen Besucher aus Russland. Die Deutschen lagen mit 1,6 Millionen Urlaubern weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Landesweit stellen die Russen inzwischen die meisten Urlauber: Nach Angaben von Tourismusminister Kurtulmus kamen in den ersten neun Monaten rund vier Millionen russische Reisende in die Türkei, gefolgt von drei Millionen Deutschen.

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