Ende in Sicht
Anthony Fauci sagt, die Pandemie könnte bald vorüber sein – nur eines darf jetzt nicht passieren

Neue Daten aus den USA bestätigen: Es sind die Ungeimpften, die die Pandemie am Leben halten. Doch Bidens medizinischer Chefberater gibt sich vorsichtig optimistisch.

Samuel Schumacher
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Seit zwei Jahren hat er sich keinen einzigen freien Tag gegönnt: Anthony Fauci, medizinischer Chefberater von US-Präsident Joe Biden.

Seit zwei Jahren hat er sich keinen einzigen freien Tag gegönnt: Anthony Fauci, medizinischer Chefberater von US-Präsident Joe Biden.

EPA

Seit geschlagenen zwei Jahren steht Anthony Fauci jeden Tag aufs Neue im Rampenlicht und erklärt den USA und der Welt mit viel Geduld und rauchiger Stimme die Tücken der Pandemie. Als medizinischer Chefberater von Präsident Joe Biden laufen beim 81-jährigen Immunologen alle Fäden im amerikanischen Kampf gegen Covid zusammen.

Seit dem Ausbruch der Pandemie hat er sich keinen einzigen freien Tag gegönnt – und kaum einen Tag erlebt, an dem er nicht von irgendwelchen Covid-Leugnern angegriffen worden wäre. Erst vor kurzem stoppte die US-Polizei ausserhalb von Washington einen geistesgestörten Schwerbewaffneten mit einer Todesliste. Zuoberst auf dem Zettel stand Faucis Name.

Doch der Spitzenmediziner lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Besonders jetzt nicht, wo sich die Pandemie vielleicht endlich dem Ende zuneigt. Seit Wochen debattieren Fachleute über die Frage, ob der Covid-Schrecken mit der zwar hochansteckenden, aber deutlich weniger gefährlichen Omikron-Mutante bald endemisch wird; sprich, ob das Virus zwar weiter kursieren, aber den normalen Alltag nicht mehr wirklich stören wird. Fauci sagte dazu gestern in einer Diskussion am virtuell stattfindenden World Economic Forum (WEF):

«Die endemische Phase könnte zwar bald beginnen – aber nur, wenn nicht wieder eine neue, gefährlichere Mutante auftaucht.»

Genau das sei schon einmal passiert, als im April 2021 erstmals die hochansteckende und nicht minder gefährliche Delta-Variante aufgetaucht sei und eine zweite Schockwelle um die Welt schickte.

Moderna hofft auf den Wunder-Shot bis 2023

Ein weiteres Problem auf dem Weg zurück in die Normalität stellt laut Fauci die rasch abnehmende Immunität gegen das Coronavirus dar. Anders als etwa bei den Masern, gegen die man sich einmal impfen lassen könne und danach einen lebenslänglichen Schutz geniesse, nehme die Immunität bei Covid-Genesenen und -Geimpften rasch ab, warnte Fauci.

Anthony Fauci hat am WEF gemeinsam mit Moderna-Chef Stéphane Bancel (oben rechts) und anderen Experten über das womöglich nahe Ende der Pandemie diskutiert.

Anthony Fauci hat am WEF gemeinsam mit Moderna-Chef Stéphane Bancel (oben rechts) und anderen Experten über das womöglich nahe Ende der Pandemie diskutiert.

EPA

Entsprechend wichtig sei in der derzeitigen Phase, dass sich möglichst alle Menschen impfen und boostern lassen würden. Insbesondere der Booster erhöhe den Schutz auch gegen die neue Omikron-Variante massiv, betonte Fauci. Bei einer Anhörung vor dem US-Senat legte er vergangene Woche neue Daten vor. Sie zeigen: Ungeimpfte sterben 20 Mal häufiger an Covid als Geimpfte. Sie haben ein 17-fach grösseres Risiko, ins Spital eingeliefert zu werden und stecken sich 10 Mal häufiger mit Covid an als Geimpfte.

Fauci hofft deshalb auf eine erst noch zu entwickelnde Impfung, die nicht nur vor der Omikron-Mutante, sondern potenziell auch vor allen zukünftigen Virus-Varianten schützen soll. Dazu sei es notwendig, jene Strukturen genaustens zu analysieren, die allen Coronaviren gemein seien, erklärte Fauci.

Genau das machen derzeit unter anderem die Wissenschafterinnen und Wissenschafter des Pharma-Unternehmens Moderna, das einen mRNA-Impfstoff entwickelt hat. Moderna-Chef Stéphane Bancel sagte am WEF, man arbeite mit Hochdruck an einer entsprechenden Impfung. Sein Unternehmen hatte 2021 807 Millionen Impfdosen hergestellt. Dieses Jahr sollen es zwei bis bestenfalls drei Milliarden Dosen werden. Ab 2023 will Moderna einen Impfstoff anbieten können, der neben einem wirksamen Schutz vor Covid auch gleich gegen Grippeviren schützt.

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