Japan
Alkohol und Sex – aber kein Thron für Prinzessin Aiko

Die Tochter des japanischen Tenno ist nun volljährig. Warum sie ihrem Vater trotzdem nicht nachfolgen darf.

Angela Köhler, Tokio
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Prinzessin Aiko mit Hund Yuri: Wird die Tochter des japanischen Tenno jemals den Thron besteigen dürfen?

Prinzessin Aiko mit Hund Yuri: Wird die Tochter des japanischen Tenno jemals den Thron besteigen dürfen?

AP

Happy Birthday Aiko! Happy? Wohl kaum. Das einzige Kind von Kaiser Naruhito und seiner Frau Masako wurde am Mittwoch 20 Jahre alt. Das bedeutet nach japanischem Gesetz Volljährigkeit – ab diesem Alter dürfen die Töchter und Söhne Nippons offiziell Alkohol trinken, rauchen, wählen und körperlich lieben. In vielen Monarchien der Welt wäre dieser Tag der Startschuss, sich auf die Thronfolge vorzubereiten. Nicht aber in der ältesten Erb-Dynastie der Geschichte. Dort gilt das strenge Regime der Männlichkeit. Nur die maskuline Linie zählt bei der kaiserlichen Thronfolge.

Das war schon bei der Geburt von Aiko das grösste Problem des Kaiserpaares. Masako gebar eben nur ein Mädchen und dann kam kein weiterer Nachwuchs. So war die Geburt aus Sicht der Royalisten kein Grund zum Jubel, sondern eher ein Fluch. Die heute fast 58-jährige frühere Karrierediplomatin aus bürgerlichem Haus zerbrach sukzessive an dem Druck, keinen Thronfolger zur Welt gebracht zu haben, erlitt Nervenzusammenbrüche und wurde vom Tokioter Hof über weite Strecken wegen «psychischer Instabilität» aus dem öffentlichen Verkehr gezogen.

Japans mächtige Traditionalisten

Das damalige Kronprinzenpaar kämpfte mit dem Mut der Verzweiflung um eine Änderung des Thronfolgerechts, schien 2005 fast erfolgreich zu sein und scheiterte dennoch bis heute an den in Japan mächtigen Traditionalisten in Politik und Gesellschaft. Aber der alles entscheidende Schlag kam von der eigenen Kaisersippe. Mitten in der Diskussion verkündete 2006 Kiko, die Gattin des Kronprinzen Akishino, dass sie ein weiteres Kind erwarte – es wurde der Knabe Prinz Hisahito. Plötzlich entfiel der Grund, an der Tradition etwas zu ändern.

Da hilft es auch nichts, dass bei jüngsten Umfragen für 80 Prozent der Bevölkerung eine Frau auf dem Chrysanthemen-Thron kein Problem wäre. Historiker verweisen zudem darauf, dass es zwischen dem 6. Und 18. Jahrhundert acht weibliche Tenno gegeben hat und die Dynastie ihre Autorität immerhin auf die Sonnenkönigin Amaterasu stützt. Bis auf weiteres bleibt es dabei: Das «Symbol des Staates» ist ein männlicher Kaiser.

Das Kaiserhaus ist eine heilige Institution

Zwar ist der Tenno laut Verfassung kein wirklicher Regent, aber das Kaiserhaus ist in Japan als Institution heilig. Dabei stellt sich jedoch aktuell ein dringliches Problem. Die kaiserliche Familie besteht derzeit noch aus 18 Personen. Den übrigen Hochadel hatten die amerikanischen Sieger bereits nach dem 2. Weltkrieg abgeschafft. Als einzig männlicher Erbe steht jetzt noch der 15-jährige Prinz Hisahito als Nummer drei der Thronfolge auf der imperialen Liste. Sollte dieser eines Tages keinen maskulinen Nachwuchs zeugen, müsste die Dynastie aussterben.

Der einzige Ausweg wäre eine radikale Änderung des Hofgesetzes, wonach künftig das erstgeborene Kind des Tenno den Thron besteigt. Das wäre die Chance für Prinzessin Aiko, aber für die Traditionalisten ein Albtraum. Zwar gibt es ein Gremium, das der Regierung einen Vorschlag unterbreiten soll. Aber der könnte auch darauf hinauslaufen, das Adelsverbot zu kippen und die Kaiserfamilie durch Auffrischung zahlenmässig zu stärken. Für die heute 20-Jährige würde damit der Lebenstraum endgültig platzen.

Was ihr bliebe, wäre eine exquisite Ausbildung an der früheren Adelsschule Gakushin. Seit vergangenem Jahr studiert sie an der dort angeschlossenen Universität japanische Sprache und Literatur. Volljährig dürfte sie nun ihre Eltern bei den kaiserlichen Pflichten und Zeremonien unterstützen, was aber ebenso wenig eine Lebensaufgabe ist wie die Betreuung ihres Hundes Yuri. Selbst das Züchten von Seidenraupen könnten ihr die Royalisten verbieten – denn diesen Job erledigen grundsätzlich Kaiserinnen.

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