UNO-Konferenz
Die Rettung Afghanistans wird teuer – und könnte die Herrschaft der Taliban stabilisieren

Nach der Hilfskonferenz spricht die UNO von Zusagen von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Doch viele Fragen blieben offen.

Jan Dirk Herbermann
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UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in Genf: «Die Menschen in Afghanistan warten auf Rettung.»

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in Genf: «Die Menschen in Afghanistan warten auf Rettung.»

Salvatore Di Nolfi / KEYSTONE

Afghanistan liegt am Boden, jetzt wollen die Vereinten Nationen zumindest die gröbste Not der Menschen in dem zerrissenen Land lindern. Am Montag versammelte die UNO etliche Geberländer und Hilfsorganisation in Genf.

Auf der Afghanistankonferenz machte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres gleich zu Beginn klar, worum es geht: «Die Menschen in Afghanistan warten auf Rettung», betonte er. Jahrzehnte des Krieges hätten die Afghaninnen und Afghanen ins Elend gestürzt. Um die Rettung hinzubekommen, müsse die Welt aber mehr Geld überweisen. Und zwar «schnell», verlangte Guterres.

Viele Fragen blieben offen – besonders rund ums Geld. Zwar addierte die UNO Zusagen von mehr als einer Milliarde US-Dollar auf. Doch sei es «nicht möglich» zu sagen, wie viel davon nach Afghanistan fliessen soll.

Die Hälfte der Bevölkerung braucht Unterstützung

Zum Konferenzauftakt hatte die UNO an die Geber appelliert, einen Betrag von 606 Millionen US-Dollar zu überweisen. Damit könnten die Helfer rund elf Millionen Menschen mit dem Nötigsten versorgen. Insgesamt braucht nach den Angaben fast jeder zweite der rund 38 Millionen Afghaninnen und Afghanen Unterstützung. Sie sind auf Lieferungen von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen humanitären Gütern angewiesen.

Besonders hart trifft die Krise die Kinder. Nach UNO-Daten werden die Hälfte aller Mädchen und Jungen unter fünf Jahren in den nächsten zwölf Monaten «akut unterernährt» sein. Anders ausgedrückt: Vielen der Kleinen droht der Hungertod.

Ein «Gebot der Menschlichkeit»

Zwar äusserten Geberländer und Hilfsorganisationen ihre Bereitschaft, die Menschen in Afghanistan nicht im Stich zu lassen. Das sei ein «Gebot der Menschlichkeit». Allerdings stehen die Geber vor einem Dilemma: Die finanzielle Hilfe könnte das Schreckens-Regime der radikalislamistischen Taliban stabilisieren. Seit Mitte August beherrschen die Taliban das Land – und sie halten sich nicht an ihre Beteuerungen, die Menschenrechte zu achten.

Im Gegenteil. Laut glaubwürdigen Berichten an die UNO verüben die Extremisten schwere Verbrechen: Tötungen ehemaliger Mitglieder der nationalen Sicherheitskräfte Afghanistans, Verschleppungen von Mitarbeitern der Ex-Regierung und Unterdrückung der weiblichen Bevölkerung. «Viele Afghanen sind tief besorgt», erklärte die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet. Diplomaten machten klar, dass die humanitären Gelder tatsächlich das Leben der Menschen verbessern müssten. «Dafür müssen die UN nun sorgen», hiess es.

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