USA
Ein Trump-Fan will den kalifornischen Gouverneur aus dem Amt kippen – doch dieser wehrt sich

Am Dienstag entscheiden die Wählerinnen und Wähler, ob sie Gouverneur Gavin Newsom vorzeitig in die Wüste schicken wollen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der Demokrat sein Amt weiter ausüben kann.

Renzo Ruf, Washington
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Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom muss sich am Dienstag einem Abwahlverfahren stellen.

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom muss sich am Dienstag einem Abwahlverfahren stellen.

Noah Berger / AP

Die Demokraten trauen den guten Umfragewerten nicht. Also reist Präsident Joe Biden an diesem Montag nach Kalifornien – wo er sich im Grossraum Los Angeles gegen den Versuch der Republikaner stemmen will, seinen Parteifreund, Gouverneur Gavin Newsom, vorzeitig aus dem Amt zu kippen. Vorige Woche hatte sich bereits Bidens Stellvertreterin, Kamala Harris, für den geschmeidigen Gouverneur ins Zeug gelegt. Die Vizepräsidentin nannte Newsom ein Vorbild für ganz Amerika, weil er immer die Wahrheit sage.

Aber eigentlich ist der 53-jährige Gouverneur auf diese Hilfe aus Washington nicht mehr angewiesen. Denn Newsom ist es in den vergangenen Wochen gelungen, das Referendum über seine fast drei Jahre dauernde Amtszeit in einen Richtungsentscheid über die Zukunft Kaliforniens umzudefinieren. So warnt er düster davor, dass bei einem Sieg des politischen Gegners die Fortschritte bei Themen wie Klimawandel oder Abtreibung auf dem Spiel stünden.

Auch nutzt er die Coronapandemie, um Punkte zu machen. Und weil der bevölkerungsreichste Bundesstaat Amerikas, in dem 39,5 Millionen Menschen leben, stolz ist auf seine Vielfalt, wird Newsom am Dienstag wohl mit einer Mehrheit der Stimmen im Amt bestätigt. Letzte Umfragen sagen, dass sich vielleicht bis zu 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler für seinen Verbleib aussprechen werden.

Der politische Gegner als wichtigster Wahlhelfer

Der wohl beste Wahlhelfer des Gouverneurs ist dabei ausgerechnet sein schärfster Widersacher: Der 69 Jahre alte Republikaner Larry Elder. Der langjährige Moderator einer Radiosendung für ein konservatives Publikum führt die Rangliste der Kandidaten für die möglichen Newsom-Nachfolge an – auch weil der afroamerikanische Jurist, dank zahlreichen Auftritten im Nachrichtenkanal «Fox News», landesweit eine bekannte Figur ist.

Dazu muss man wissen: Das Abwahlverfahren in Kalifornien ist zweistufig. Zuerst müssen die Wählerinnen und Wähler die Frage beantworten, ob sie den Gouverneur loswerden («recall») wollen. Sagt eine Mehrheit «Ja», dann wird aus einer Liste von 46 Kandidatinnen und Kandidaten der Newsom-Nachfolger ausgewählt. Gewinner ist, wer die meisten Stimmen erzielt.

Ein reicher Fundus an kontroversen Stellungnahmen

Theoretisch stehen sich Newsom und Elder also nicht direkt gegenüber. Dem amtierenden Gouverneur ist es untersagt, sich um seine eigene Nachfolge zu bewerben. Aber die Demokraten bedienen sich aus dem Fundus Elders, der während seiner mehr als 25 Jahre dauernden Karriere als Moderator kein heiss umstrittenes Thema unkommentiert liess.

Besonders kontrovers sind dabei Aussagen des Neo-Politikers über das Zusammenleben von Amerikanern mit heller und dunkler Hautfarbe. So illustrierte Elder seine harsche Kritik am modernen Wohlfahrtsstaat vor zwei Jahren mit diesem umstrittenen Vergleich: «Während der Sklaverei wurde ein schwarzes Kind eher mit seiner leiblichen Mutter und seinem leiblichen Vater unter einem Dach geboren als heute.»

Elder kämpft zudem gegen den Vorwurf der häuslichen Gewalt an, der seine ehemalige Lebensgefährtin – eine gebürtige Luzernerin mit dem Namen Alexandra Datig – vor einigen Wochen erhob. Elder soll sie mit einer Waffe bedroht haben, behauptet Datig in einer Strafanzeige.

Elder bereitet derweil bereits den Boden für die Fortsetzung seiner Karriere als konservatives Sprachrohr vor. So kündigte er in den vergangenen Tagen Gerichtsklage an, um angebliche Wahl-Tricksereien der Demokraten zu stoppen. «Sie werden schummeln, wir wissen das», sagte er vorige Woche, mit Verweis auf das angeblich gefälschte Resultat der Präsidentenwahl 2020. Biden gewann im vorigen November in Kalifornien 63,5 Prozent der Stimmen.

Auf «Fox News» sind derweil die Werbespots zu sehen, in denen der Unterstützer von Ex-Präsident Donald Trump Werbung für ein dubioses Heilmittel macht. Gemäss einer Einkommensbescheinigung verdient Elder mit diesen TV-Sports mehr als 10000 Dollar.

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