Ostafrika
Wahl in Uganda: Ein Popsänger fordert den Diktator heraus

Seit 35 Jahren regiert Yoweri Museveni das ostafrikanische Land. Besonders die Jugend hofft nun auf den populären Musiker Bobi Wine.

Markus Schönherr aus Kapstadt
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Hoffnung der Jungen: Der Musiker Robert Kyagulanyi alias Bobi Wine.

Hoffnung der Jungen: Der Musiker Robert Kyagulanyi alias Bobi Wine.

Sopa Images / LightRocket

«Sie mögen Tränengas haben, aber wir haben Gott auf unserer Seite», ruft der Mann mit erhobener Faust – und die Menge jubelt. Uganda erlebt ein Phänomen. Es heisst Bobi Wine. Der Oppositionspolitiker und Popmusiker versteht es, vor allem junge Ugander hinter sich zu versammeln.

Bei der Präsidentschaftswahl an diesem Donnerstag sehen Beobachter ihn als «grösste Gefahr» für den autokratisch regierenden Präsidenten Yoweri Museveni. Doch hat die Opposition Chancen gegen dessen Waffenarsenal? Das bestand zuletzt aus Tränengas, willkürlichen Festnahmen und einem Militär, das es laut Uno mit Menschenrechten nicht so genau nimmt.

Museveni steht vor einem Problem, an dem bereits etliche Alt-Präsidenten Afrikas vor ihm scheiterten: Er rühmt sich mit dem Freiheitskampf, mit den Errungenschaften, die er der ostafrikanischen Nation etwa im Kampf gegen Aids, für Frauenrechte, in puncto Wirtschaft und Sicherheit brachte.

Wahlplakat von Yoweri Museveni: Der Diktator herrscht in Uganda seit 35 Jahren - und will weitermachen.

Wahlplakat von Yoweri Museveni: Der Diktator herrscht in Uganda seit 35 Jahren - und will weitermachen.

EPA/STR

Doch die Jugend will davon nichts wissen. Immerhin: Als Museveni vor 35 Jahren ins Amt kam, waren drei Viertel der heute lebenden Ugander noch nicht geboren. Das lässt den Autokraten verzweifeln. Und zwar so sehr, dass sein Unmut und der der alten Garde vor der Wahl in Gewalt ausbrach.

Tränengas und Gummikugeln gegen die Opposition

Die Kleinstadt Masaka Ende Dezember: In den Morgenstunden stürmen Oppositionsanhänger eine Kirche, wo Oppositionspolitiker Wine, mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi, an einer Messe teilnimmt. Sie feiern ihren Helden. Draussen aber schlägt die Euphorie bald um: Die Polizei schiesst Tränengas in die Menge, drei Reporter werden von Gummikugeln verletzt. Ein Auto rammt Bobi Wines Leibwächter, der kurz darauf stirbt.

Tags darauf wird Patrick Amuriat, der Kandidat des oppositionellen Forum for Democratic Change (FDC), ins Spital eingeliefert. Ein Polizist hatte ihn mit Pfefferspray attackiert. Kurze Zeit später wird sein Konvoi mit scharfer Munition beschossen. Laut dem Institute for Security Studies, einer panafrikanischen Denkfabrik, starben im Wahlkampf mindestens 50 Menschen.

Die Repression kam unter dem Deckmantel der Coronabekämpfung. In mehreren Bezirken wurden Wahlkundgebungen wegen der Pandemie verboten. Ugandas Polizei löste Veranstaltungen auf und verhaftete Wine und andere Oppositionsführer. Die Uno ist alarmiert. «Wiederholt haben wir betont, dass der Kampf gegen Covid-19 nicht als Vorwand benutzt werden darf, um grundlegende Freiheiten zu unterbinden», hiess es zum Jahreswechsel von einer Gruppe Uno-Menschenrechtsexperten.

Bobi Wine verkörpert die Hoffnung der Jugend

«Er ist ein Mensch, den ich gern zum Freund habe. Aber zum Feind möchte ich ihn keinesfalls», sagt Adelheid Magister. Sie ist Wirtin im österreichischen Unterolberndorf – und war mit Zwillingen schwanger, als Museveni in ihrem Wirtshaus die Verfassung Ugandas schrieb.

Das war 1985. Danach kehrte er in seine Heimat zurück, half beim Putsch gegen Diktator Milton Obote und regiert seit 1986. Bildung und Gesundheit trieb er voran, doch hat der Fortschritt einen hohen Preis: So werden Aktivisten und Homosexuelle in Uganda verfolgt, Regimegegner gefoltert.

Für viele verkörpert Wine, der von Freiheit singt, die Hoffnung auf einen liberaleren Alltag. «Er kommt aus dem Ghetto. Er weiss, wie wir hier unten leben», sagte eine Unterstützerin. Trotzdem sind seine Chancen auf das Präsidentenamt gering, selbst in einem fairen Rennen.

Denn die Opposition versäumte, vor der Wahl eine gemeinsame Front gegen Museveni zu bilden. Zu tief scheint dessen Fussabdruck in der ostafrikanischen Nation.