Es kommt nicht oft vor: Aber für einmal sind sich die französischen Atomkraftgegner und die Gewerkschafter, die für den Erhalt des elsässischen AKW Fessenheim kämpfen, einig. Das von der französischen Umweltministerin Ségolène Royal gefeierte Dekret zur Abstellung von Fessenheim ist ein Witz. Die kommunistische Gewerkschaft CGT feiert ihren Sieg, und selbst die Anwältin der AKW-Gegner ist überzeugt, dass der Erlass juristisch vor dem französischen Staatsrat keinen Bestand haben wird.

Fünf Jahre hatte Royal nach dem Wahlversprechen von Präsident Hollande Zeit, das älteste französische AKW zu-zumachen. Und nun dieser halb gare Versuch, wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen das Gesicht zu wahren. Das Dekret koppelt das Abstellen von Fessenheim zudem an die Inbetriebnahme des Europäischen Druckwasserreaktors im nordfranzösischen Flamanville. Ursprünglich sollte der 2012 fertig sein, jetzt redet man von 2019, und das ist keineswegs sicher.

Die Fessenheim-kritischen deutschen und Schweizer Nachbarn müssen hoffen, dass das AKW weiter durchhält und dass das befürchtete Erdbeben auf sich warten lässt. Eine andere Hoffnung bleibt: Vielleicht gibt Betreiber Électricité de France bald von alleine auf. Die ständigen Nachrüstungen sind teuer. So ist der Block 2 derzeit wegen Unregelmässigkeiten bei Herstellungsprotokollen des Dampfgenerators für mehr als ein Jahr vom Netz. Geld verdienen lässt sich so kaum. Da wäre Abstellen billiger.