Das Vorgehen ist neu. Die «Rundschau» von SRF hat Aktien des Pharmakonzerns Novartis gekauft. Jedenfalls hat sie als Aktionärin im Hinblick auf die Generalversammlung an der schriftlichen Abstimmung teilgenommen und ihre Unterlagen vorweg einem unabhängigen Stimmrechtsvertreter zukommen lassen.

Der GPS-Sender, der dem Couvert beigelegt war, zeigt, dass die «Rundschau» aber nicht an der Novartis-Geschäftspolitik interessiert war. Sie wollte vielmehr investigativ nachweisen, wie der Konzern mit den Abstimmungszetteln umgeht. Denn diese gingen nicht, wie die Adresse suggeriert, zum Stimmrechtsvertreter, sondern direkt zu Novartis – doch dies hatte die «Rundschau» schon zuvor gewusst.

Weshalb die TV-Redaktion die technische Spielerei inszenierte, um zu erfahren, was sie schon wusste (und was auch von anderen Firmen nicht verschwiegen wird, wie Nachrecherchen des «Tages-Anzeigers» zeigen), mag zunächst nicht einleuchten. Wenn jedoch nicht Aufklärung, sondern Aufmerksamkeit als das Ziel der Recherche erkannt wird, dann zeigt sich, dass das Mittel den Zweck erfüllt. Der GPS-Einsatz hat zu einer breiteren Berichterstattung geführt, er wurde nicht zuletzt zum Thema dieser Kolumne.

Klappern gehört selbstredend zum journalistischen Handwerk. Je verwegener sich eine Recherche anhört, desto spektakulärer versprechen die Resultate zu werden. mJe klandestiner eine Quelle, desto brisanter scheint, was sie zu sprudeln hat. Je grösser die zugespielte Datenmenge, desto exklusiver könnte die Enthüllung der darin verborgenen Information sein. Je unschärfer schliesslich das Bild einer verdeckten Kamera, desto skandalöser scheint der Vorgang. Der GPS-Sender ist neu, doch die Methode ist alt.