Anstatt in der Sozialhilfe zu landen, sollen über 55-jährige Arbeitslose bis zu ihrer Pensionierung auf dem RAV stempeln können. Dieser Vorschlag der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos) ist gut. Schon allein der Gang aufs RAV ist für viele mit einem Gesichtsverlust verbunden. Die Erfahrung immer wiederkehrender Job-Absagen ist demütigend.

Noch schlimmer kommt es für viele Arbeitslose nach gut anderthalb Jahren, wenn sie beim RAV ausgesteuert werden. Dann bleibt fast nur der Gang aufs Sozialamt. Doch muss vorher ein Grossteil des Vermögens weg, sonst gibt es keine Sozialhilfe. Sozialer Abstieg, das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden – für viele ist der Gang zum Sozialamt Auslöser einer grossen Krise in der Krise, in der man als Arbeitsloser ohnehin schon steckt. Abgestempelt, kriegen nicht wenige von ihnen psychische Probleme. Die – nebenbei – die Gesundheitskosten belasten.

Ob länger RAV oder früher Sozialhilfe – die Ursache des Problems wird damit freilich nicht beseitigt. Sie liegt im sich wandelnden Arbeitsmarkt. Die Digitalisierung schreitet so zügig voran, dass kaum einer sicher ist, ob seine Qualitäten in zehn Jahren noch gefragt sind. Spüren würden die Verschiebung von der Sozialhilfe hin zur Arbeitslosenversicherung vor allem die Arbeitgeber, die diese mittragen.

Auch sie haben aber einen guten Vorschlag, der ältere Mitarbeiter vom Stempel «teuer» befreien hilft und sie attraktiver macht: Die Löhne sollen nicht stetig bis zur Pensionierung hin steigen, sondern gegen Ende der Karriere wieder sinken. Ihr Vorschlag steht in keinem Widerspruch zu jenem der Skos.