Das Geständnis ist weder weltbewegend noch intim. Und ehrenrührig auch nicht. Deshalb: Ich war noch nie am Automobilsalon. Und trotzdem behaupte ich, dass ich mehr von diesem Ereignis weiss als viele, die immer wieder hinfahren.

Mein (Er-)Kenntnisstand ist dieser: Immer wenn im späteren Winter oder früheren Vorfrühling ein Bundesrat oder eine Bundesrätin an einem Auspuff schnüffelt, sich hinters Steuerrad eines Boliden setzt oder sich über eine Kühlerhaube beugt, ist wieder «Salon».

Immer wenn danach die Diskussion darüber anhebt, ob der Bundesrat oder die Bundesrätin die richtige Balance zwischen lobenden Worten für den Innovationsgeist der Autobauer und mahnenden Worten mit Blick auf das Klima gefunden hat, ist wieder «Salon».

Immer wenn im Intercity die Sitzplätze der Pendlerinnen und Pendler frühmorgens schon unter zusätzlichem Druck von temporär umgestiegenen Autoliebhabern kommen, ist wieder «Salon».

Immer wenn im gleichen Intercity abends das Bordrestaurant mit fröhlichen Genf-Rückkehrern gefüllt ist, ist wieder «Salon».

Immer wenn Hochglanzprospekte voller toller neuer Modelle mit vorauseilendem potenziellem Besitzerstolz auf dem Perron herumgetragen werden, ist wieder «Salon».

Immer wenn die Bundesrätinnen und Bundesräte wieder auf zwei Beinen stehen, statt auf vier Räder abfahren, kommt der nächste Salon bestimmt. Und die Bahnfahrt wird wieder zum Ritual ohne zusätzlichen automobilen Erkenntnisgewinn.