Der bedeutendste russische Roman des 20. Jahrhunderts ist «Die Gabe», geschrieben von Vladimir Nabokov. Der grösste amerikanische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts hiess ... Vladimir Nabokov. Gedrillte Spiesser des Hasses (Bolschewiki und Nazis) hatten ihn im Lauf des Lebens gezwungen, die innere und äussere Heimat zu wechseln, Sprache und Land. Als Grossmeister des Russischen und Englischen verwendete Nabokov beidseits ein Wort: Poschlost. Romantisch anklingend im Englischen von ihm variiert (Posh-Lust), sickerte Poschlost auch ins Deutsch – für Nabokov ein Zentralbegriff.

 Poschlost ist kaum zu übersetzen. Pfeile seines Kraftfeldes zielen in Richtung Geschmacklosigkeit, Gemeinheit, Kitsch, aber auch zu Niedertracht und Aggression. Wer immer sich mit Gemeinplätzen zufriedengibt, im Kopf und Gefühl, wer Konventionen nur weiter polstert, intellektuell und emotionell, steht unter Poschlost-Verdacht. Bei Nabokov können ganze Nationen davon befallen sein (Deutschland) oder auch Werke der Weltliteratur. So ziehe sich etwa «eine fürchterliche Strähne von Poschlost» durch Goethes «Faust» (was die Integralaufführungen der Anthroposophen in Dornach womöglich so unerträglich macht).

 Poschlost, das Wort, sollten wir uns merken: Die Gegenwart ist durchtränkt davon.