Da hätte ich ja noch ganz schön was zu tun, meinten meine Eltern beim abendlichen Besuch und blickten kritisch auf die noch immer originalverpackten Bücher, die sich auf meinem Regal stapeln. Stimmt schon, dachte ich. Dieses ungesunde Missverhältnis zwischen Bücherkaufen und Bücherlesen nimmt – mindestens für mein Billig-Bücherregal – allmählich ein überstrapazierendes Ausmass an. Ganz habe ich die Hoffnung aber nicht aufgegeben, dass ich mich irgendwann doch noch durch all die Wälzer lese, die sich da so erhaben auftürmen. 

Anders dürfte es dem Kollegen gehen, der letzthin meinte, er würde eigentlich mal gerne alle Youtube-Filmli schauen, die es gibt, so als Binge-Watch-Experiment. Wir haben dann gegoogelt und herausgefunden, dass pro Minute sage und schreibe 300 Stunden Videomaterial auf Youtube geladen werden. Die auch nur im Ansatz anzuschauen, ist also schlicht ein Ding der Unmöglichkeit (ausser das mit Stephen Hawkings Zeitreise-Idee würde doch irgendwann mal noch klappen). Die Zahl ist erschlagend, die Vorstellung einer sich unablässig aufblasenden Youtube-Blatter beunruhigend. Doch etwas Gutes hat der Gedanke daran: Die eingepackten Bücher auf meinem Regal wirken plötzlich alle ganz harmlos. Ich kann getrost noch ein wenig warten mit dem Aufbruch ins literarische Vergnügen – und vielleicht gar noch ein Buch dazukaufen. Nur eines ...