Der Mensch unterscheidet sich, nach allgemeiner Auffassung, vom Tier dadurch, dass er die Fähigkeit hat, zu denken. Ich möchte den Satz korrigieren mit dem Wort «hätte». Sie können es selber an gegebener Stelle einfügen. Diese allgemeine Meinung haben aber nur wir Menschen. Aus der Sicht jedes einzelnen Tieres sieht das schon ganz anders aus. Nach meiner Auffassung unterscheidet sich das Tier vom Menschen durch die Fähigkeit, Dinge zu Ende zu denken und die Folgen abzuschätzen. Natürlich tut es das nicht durch «Denken», sondern, es ist in seiner Natur angelegt.

Eichhörnchen sorgen rechtzeitig für einen Nüsschen-Vorrat vor dem harten Winter. Haben das zum Beispiel die Banken in den guten Zeiten auch gemacht? Nein, sie haben sich dumm und dämlich verdient, haben die Nüsschen grosszügig an ihre Aktionäre verteilt, und als die Krise kam, versteckten sich die grossen Finanzplauderis, die vorher immer überheblich «weniger Eingriffe vom Staat» gefordert hatten, plötzlich, jämmerlich weinend, unter dem Rockzipfel der Helvetia und hofften, dass Mami die Sache in Ordnung bringt. Übrigens könnten Sie beim Eichhörnchen-Beispiel ja einwenden: «Das dumme Tierchen findet ja nicht einmal mehr alle Nüsschen, die es versteckt hat.» Meine Antwort: «Aber es ist so schlau, seine Schwächen zu kennen, und versteckt einfach viel mehr, als es brauchen kann.»

Der Mensch ist total fasziniert von seinem eigenen Forschergeist

Also, nochmals, der Mensch kann denken, bravo! Wenn er das aber tut, kommt es meistens schief heraus. Er ist nämlich total fasziniert von seinem eigenen Forschergeist, küsst jede Nacht sein Spiegelbild und schreibt Bücher über seine Heldentaten. Dabei laufen die meisten seiner Denk-Bemühungen ähnlich ab: Er erfindet etwas, wittert ein grosses Geschäft, macht Kritiker mundtot und fängt an zu jammern, wenn er sieht, wohin seine geistigen «Höchstleistungen» führen. Dann weiss er nicht mehr weiter, steht wie der Esel am Berg, und das ist, bei Gott, eine Beleidigung für das Grautier mit vier Buchstaben.Einerseits grübelt der Mensch schon seit Jahrhunderten über den Sinn des Lebens nach und ist nicht viel weiter gekommen. Andererseits forscht er wie ein Irrer und freut sich tierisch (ups, kein guter Vergleich)... freut sich menschlich über seine scheinbare Genialität. Man muss zwar schon anerkennen, auf diesem Gebiet hat er es weit gebracht, schon fast bis zum Rand des Abgrundes.

Heute kann jeder Volltrottel stundenweise Leute herumfahren

Ein gutes Beispiel ist die Atomkraft. Der Mensch war natürlich froh, schnell eine Lösung gefunden zu haben für seinen Energiebedarf. Er wusste eigentlich von Anfang an, dass er das Problem für tausend Jahre nicht loswird, aber Hauptsache, er hat mal seine Ruhe für ein paar Jahrzehnte. Irgendwann wird Mami das Problem schon lösen. Es gibt unzählige Beispiele: Wir erfinden ein Internet, welches es möglich macht, dass solch idiotische Gebilde wie z.B. Uber entstehen. Vorher musste jeder Taxifahrer eine Ausbildung machen, wurde streng kontrolliert. Heute kann jeder Volltrottel, der zufällig einen Fahrausweis gewonnen hat, stundenweise Leute herumfahren. Und jetzt können beide nicht vom Einkommen leben, genial! Anstatt angesichts der Klima-Erwärmung die ganze Forschung auf Lösungen auszurichten, ist die Antwort des Menschen: Er kauft sich ein Cabriolet. Er wüsste ja eigentlich, dass es fünf vor zwölf ist, müsste dringend die richtigen Schlüsse ziehen, denkt aber nur: «Super, dann habe ich ja noch fünf Minuten!» Sollte man nicht wenigstens jedem, der mit dem Helikopter seine 80 Kilo lahmes Fleisch auf 3000 Meter fliegen lässt, um dann bequem mit den Skiern ins Tal zu fahren, mindestens ein paar hinter die Löffel hauen?

Aber man muss dem Menschen schon zugutehalten, dass er nicht an allem schuld ist. Er ist in eine Welt geschöpft worden, in der er sich jahrtausendelang ausbreiten und Neues erforschen konnte. Er hat sich grössere Teile der Erde untertan gemacht, die Welt nach seinem Gusto eingerichtet. Er hat sich ungehindert ausbreiten können, und jetzt steht da plötzlich dieses dumme STOP-Schild. Da kann er doch nichts dafür! Nun denn, dass ich zu dumm bin, hier am Ende dieser Kolumne Lösungen zu präsentieren, das ist mir klar. Dass aber die gesamte Menschheit nicht viel schlauer ist, das gibt mir schon zu denken. Zum Schluss möchte ich betonen: Ich mag die Menschen in ihrer Einzelausfertigung, aber die Menschheit in ihrer Gesamtheit scheint mir manchmal dümmer als ein Eichhörnchen. Und ich kann Ihnen noch ein Geheimnis verraten: Da wird kein Mami kommen und alles in Ordnung bringen!