Die Konsumenten wollen sparen, doch der Bund lässt sie nicht. Das ist falsch. Viele kaufen im grenznahen Ausland nicht nur Lebensmittel, sondern auch Medikamente. Wie etwa beim Fleisch sind auch hier die Preise deutlich tiefer, vor allem bei den Generika.

Bislang haben zahlreiche Krankenversicherer die Kosten übernommen, wenn ein Schweizer Arzt ein Rezept für ein Arzneimittel ausgestellt hat. Zum Ärger der Kassen und der Betroffenen hat das Bundesamt für Gesundheit dieser Praxis in den vergangenen drei Jahren zunehmend den Riegel geschoben.

Der Grund: Das Gesetz beschränkt den Kauf von Medikamenten, die von den Krankenversicherungen zurückerstattet werden, auf die Schweiz. Eine Ausnahme ist einzig für Notfälle im Ausland vorgesehen.

Der Ärger ist gerade auch deshalb verständlich, weil das Bundesamt die Kassen lange Zeit gewähren liess. Es war sich schlicht nicht bewusst, dass die Versicherer das Gesetz in diesem Punkt nicht einhalten. Erst als das Amt auf die Praxis aufmerksam gemacht wurde, schritt es ein.

Doch die Behörde, welche die Krankenversicherer beaufsichtigt, ist der falsche Adressat der Kritik. Es wäre willkürlich, würde das Bundesamt bei einem Gesetzesverstoss einfach wegschauen. Es hat daher gar keine andere Wahl.

Gefordert sind der Bundesrat und das Parlament. Die Landesregierung hat immerhin bereits signalisiert, eine Lockerung des Gesetzes zu prüfen. Im National- und Ständerat ist zum Thema jeweils ein Vorstoss eingereicht worden.

Schliesslich hat sich auch die Expertengruppe, die nach Einsparpotenzial im Gesundheitswesen gesucht hat, dafür ausgesprochen. Jetzt gilt es, Nägel mit Köpfen zu machen. Denn wenn die Konsumenten bei den Gesundheitskosten für einmal sparen wollen, dann sollte man sie auch lassen.

Die Pharmaindustrie hat daran keine Freude. Das überrascht nicht. Allzu sehr schmerzen dürfte die Branche den grenznahen Einkauf von Medikamenten nicht. Vielmehr fürchtet sich die Pharmalobby vermutlich davor, dass in der Schweiz im Zuge der Lockerung des Gesetzes wieder über Parallelimporte von Medikamenten diskutiert werden könnte. Bisher konnte dies die Branche erfolgreich verhindern.