Goldene Zeiten zeichnen sich dadurch aus, dass man im Moment gar nicht erkennt, dass sie golden sind. Dies gilt vor allem für die Medienbranche. Noch vor einigen Jahren ging es dieser richtig gut. Man trank an den Verlegerkongressen den teuersten Champagner und beschwor die grosse Krise, von der man glaubte, dass sie eh nie eintreten werde. Doch jetzt ist sie eingetroffen. Dafür jammert man nicht mehr und schwärmt stattdessen von neuen Allianzen und Partnerschaften. 2017 wird als das «Jahr der grossen Annäherungen» in die Geschichte eingehen.

Jüngste Beispiele: Tamedia kauft den Werbevermittler Goldbach, AZ Medien macht ein Joint Venture mit der NZZ und die altehrwürdige SDA vereinigte sich mit der Fotoagentur Keystone.  Lösungen – und dies vollkommen ironiefrei –, die vor zwei, drei Jahren undenkbar gewesen wären, werden heute Realität. Bei so viel Nächstenliebe dürfte es jedem #MeToo-Experten schwindlig werden.

Diese Zusammenschlüsse müssen per Definition nichts Schlechtes sein. Aber es gehört auch nicht alles, was momentan zusammenwächst, wirklich zusammen, um dieses abgedroschene Willy-Brandt-Zitat zu behelligen. Es ist klar: In den nächsten Monaten werden weitere Stellen abgebaut werden, zu gross sind die Inserate-Einbrüche. Doch – und dies ist das Versöhnliche zum Jahresende – unsere Verleger sind bestrebt, weiterhin in journalistische Inhalte zu investieren. Dies ist schon viel in der heutigen Zeit. Sie könnten auch Immobilienverwalter sein.