Der Austausch medizinischer Daten kann Leben retten. Wenn Patient X vom Spital A notfallmässig ins Spital B transferiert werden und alles ganz schnell gehen muss, dann wird er dankbar sein, dass der behandelnde Arzt im Spital A sein Krankendossier blitzschnell an die zuständigen Spezialisten im Spital B übermitteln kann. Dieser Austausch ist heute dank elektronischer Krankengeschichten viel einfacher als früher. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker, sie werden ihnen ein Lied davon singen.

Dass bestimmte Schweizer Ärzte die Dossiers ihrer Patienten aber offenbar nicht nur an ihre Berufskollegen weiterleiteten, sondern die heiklen Daten auch an Inkassofirmen verschickten, wie der bekanntgewordene Fall der Firma Eos zeigt, das ist fahrlässig und ein absolutes No-Go. Schuldeneintreiber brauchen für die Ausführung ihres Jobs nichts mehr als den Namen, die Adresse und den ausstehenden Rechnungsbetrag. Ob ein Schuldner aber unter der Krankheit A oder dem Gebrechen B leidet, ob er sich in psychiatrischer Behandlung befindet oder sich auf bestimmte Gesundheitsrisiken hin untersuchen lässt, das geht Inkassofirmen nichts an.

Wenn Branchenvertreter nun hinstehen und das Gegenteil behaupten (so wie der Sprecher des Verbands der Inkassofirmen), dann gefährden sie eines der zentralen Prinzipien unseres Gesundheitssystems: Unsere Gesundheit bleibt Privatsache, und zwar auch dann noch, wenn wir vergessen haben, eine Rechnung zu bezahlen.