Lassen Sie uns übers Duzen reden.

Ich habe kein Problem damit. Im Gegenteil: Werde ich in einer Bar oder in einem Kleidershop gesiezt, fühle ich mich alt – so alt, wie ich tatsächlich bin. Denn Duzen signalisiert Vertrautheit, Verständnis. Und was ist erfreulicher, als wenn ein Barkeeper oder eine Verkäuferin mit den (Sonder-)Wünschen der Kundin vertraut ist und Verständnis dafür hat?

Das dachten sich vermutlich auch die Werbeverantwortlichen des Grossverteilers meines Vertrauens, als sie vor ein paar Jahren den Slogan «Für mich und dich» lancierten. Vorgemacht hatte es schon lange zuvor ein schwedisches Möbelhaus («schraubst du noch oder wohnst du schon?»). Weil sich – wie man weiss – in Skandinavien ohnehin alle duzen, störte sich damals kaum jemand daran. «Für mich und dich» hingegen sorgte anfänglich für Irritationen.

Mittlerweile hat man sich daran gewöhnt. Vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil man im Internetzeitalter von Google über Facebook bis Zalando ohnehin grundsätzlich geduzt wird.

Wie gesagt: Mir hilft die Duzerei, mich jünger zu fühlen, als ich bin. Etwas konsterniert
war ich dann aber doch, als ich kürzlich den Prospekt eines Möbelhauses durchblätterte, das zum selben Unternehmen wie mein bevorzugter Grossverteiler gehört: Auf einer Seite wurde ich geduzt, auf einer anderen gesiezt. Und noch merkwürdiger: Die teuren Tische wurden mir per Sie, die preisgünstigen Stühle per Du angeboten. Ob sich da ein preislicher Duz-Röstigraben öffnet?